Ein Beitrag von Antonia Nauerz und Sabrina Terbrüggen, FAU Erlangen
Gehen dir öfters folgende Gedanken durch den Kopf: „Ich bin nicht gut genug für meinen Job“, „Andere überschätzen mich“, oder „Ich kann die Erwartungen anderer nicht erfüllen“? Wenn der Job durch Selbstzweifel zur Qual wird, steckt oft das Imposter-Phänomen dahinter. Was das ist und was dagegen helfen kann, erfährst du hier.

Alex und das Imposter-Phänomen
Der Arbeitsalltag von Alex wird durch das Imposter-Phänomen beeinflusst. Er arbeitet bereits seit mehreren Jahren in einem mittelständigen Bauunternehmen. Obwohl er seine Aufgaben immer erfolgreich bearbeitet, plagen ihn seit Beginn seiner Karriere Selbstzweifel. Er befürchtet Projekte nicht erfolgreich abschließen zu können, obwohl sein Umfeld Vertrauen in ihn hat. Die Sorgen verstärken sich, als Alex eine Beförderung erhält. Statt sich über die Anerkennung zu freuen, denkt er: “Jetzt merken alle, dass ich nichts kann. Ich habe die Beförderung nicht verdient.” Solche Gedanken sind typisch für das Imposter-Phänomen.
Was steckt hinter dem Imposter-Phänomen?
Das Imposter-Phänomen wurde bereits 1978 von den amerikanischen Wissenschaftlerinnen Pauline Clance und Suzanne Imes beschrieben. Wie Alex haben Betroffene starke Selbstzweifel und erkennen ihre Fähigkeiten und Leistungen nicht an. Stattdessen schreiben sie ihre Erfolge Glück oder Zufall zu. Auch Alex kann nicht erkennen, dass er wegen seiner guten Arbeitsleistungen befördert wurde. Er glaubt, es liegt daran, dass er seiner Chefin besonders positiv in Erinnerung geblieben ist oder sie niemand anderen für die Stelle finden konnte. Das wird als externale Ursachenzuschreibung (Attribution) bezeichnet, d. h., Erfolge werden durch Gründe erklärt, die außerhalb der eigenen Person liegen. Dieser externale Attributionsstil wird in der Forschung als eine mögliche Ursache des Imposter-Phänomens diskutiert (Gullifor et al., 2024).
Das Imposter-Phänomen gibt es überall
Vielen Menschen geht es wie Alex. Studien zeigen, dass schätzungsweise bis zu 82% der Menschen vom Imposter-Phänomen betroffen sind (Bravata et al., 2020). Von Studierenden, über Berufseinsteigende bis hin zu Führungskräften – Personen in den unterschiedlichsten Positionen erleben diese Gefühle (Rohrmann et al., 2016). Somit wird Alex in seiner Firma sicher nicht der Einzige mit diesen Gedanken sein.
Was macht das Imposter-Phänomen mit einem?
Nachdem Alex nun schon einige Wochen in seiner neuen Position arbeitet, fühlt er sich immer häufiger ängstlich und gestresst. Dadurch unterlaufen ihm immer wieder kleine Fehler bei seinen Aufgaben und er fühlt sich mehr und mehr überfordert. Er lässt sich mittlerweile öfter von seiner Ärztin krankschreiben und überlegt seinen Arbeitsplatz zu wechseln. Die Forschung zeigt auch, dass vermehrt Fehlzeiten und Burnoutsymptome im Zuge des Imposter- Phänomens auftreten können (Gullifor et al., 2024). Alex befürchtet, dass sich seine Probleme nicht einfach durch einen anderen Job lösen werden. Durch eine Internet-Recherche stößt er auf das Imposter-Phänomen und erkennt sich darin wieder.
Was man gegen das Imposter-Phänomen tun kann
Alex liest verschiedene Artikel, um sich zu informieren, was dagegen hilfreich sein könnte. Dabei erfährt er, dass man sich durch den Austausch mit anderen Betroffenen weniger allein fühlt und weitere Tipps für den Umgang lernen kann (Para et al., 2024). Alex hat zunächst Angst vor den möglichen Reaktionen seiner KollegInnen, beschließt dann aber sich seinem Lieblingskollegen zu öffnen. Dieser kennt berufliche Selbstzweifel auch, was Alex sehr erleichtert.
Der Kollege gibt Alex den Tipp, sich Feedback zu eigenen Stärken und Leistungen von anderen einzuholen. Ihm gelang es so leichter in seine Fähigkeiten zu vertrauen (Zanchetta et al., 2020). Daher beschließt Alex in seinem Mitarbeitergespräch von seinen Selbstzweifeln und Sorgen zu erzählen und nach Feedback zu fragen. Zu Alex‘ Überraschung kennt seine Chefin solche Gefühle ebenfalls und möchte ihn dabei unterstützen. Sie bestärkt ihn darin, dass er die Anforderungen seiner neuen Position erfüllt und diese aufgrund seiner vorherigen Leistungen
bekommen hat. Je mehr sich Alex mit dem Imposter-Phänomen auseinandersetzt, desto bewusster wird er sich über Selbstzweifel auch außerhalb des Berufslebens. Er denkt häufig, nicht gut genug als Vater oder Freund zu sein. Er erinnert sich an die Empfehlung der Wissenschaftlerin Pauline Clance täglich eine Art Tagebuch zu schreiben, um Erfolge und positives Feedback festzuhalten (Clance, 1985). Alex schreibt sich z. B. das Lob seiner Chefin oder einen wertschätzenden Kommentar von einem seiner Freunde auf.
Nachdem er das einige Zeit gemacht hat, bemerkt er, dass er mehr an sich glauben kann und endlich wieder Freude im Job hat. Sein neues Wissen und die Tipps teilt er mit seinem Umfeld, das davon auch profitiert, denn für Alex ist klar – niemand sollte unter ungerechtfertigten Selbstzweifeln leiden müssen.
Referenzen
- Bravata, D. M., Waos, S. A., Keefer, A. L., Madhusudhan, D. K., Taylor, K. T., Clark, D. M., Nelson, R. S., Cokley, K. O., & Hagg, H. K. (2020). Prevalence, predictors, and treatment of impostor syndrome: a Systemarc Review. Journal of General Internal Medicine, 35(4), 1252–1275. hops://doi.org/10.1007/s11606-019-05364-1
- Clance, P. R. (1985). The Impostor Phenomenon: Overcoming the Fear that Haunts YourSuccess. Peachtree Pub Ltd.
- Clance, P. R. & Imes, S. A. (1978). The imposter phenomenon in high achieving women: Dynamics and therapeurc intervenron. Psychotherapy: Theory, Research & PracPce, 15(3), 241–247. hops://doi.org/10.1037/h0086006
- Gullifor, D. P., Gardner, W. L., Karam, E. P., Noghani, F., & Cogliser, C. C. (2024). The impostor phenomenon at work: A systemarc evidence-based review, conceptual development, and agenda for future research. Journal of OrganizaPonal Behavior, 45(2), 234–251. hops://doi.org/10.1002/job.2733
- Para, E., Dubreuil, P., Miquelon, P. & Marrn-Krumm, C. (2024). Intervenrons addressing the impostor phenomenon: a scoping review. FronPers in Psychology, 15, 1360540. hops://doi.org/10.3389/fpsyg.2024.1360540
- Rohrmann, S., Bechtoldt, M. N., & Leonhardt, M. (2016). Validaron of the Impostor Phenomenon among Managers. FronPers in Psychology, 7, 821. hops://doi.org/10.3389/fpsyg.2016.00821
- Zancheoa, M., Junker, S., Wolf, A.-M., & Traut-Maoausch, E. (2020). „Overcoming the Fear That Haunts Your Success“ – The Effecrveness of Intervenrons for Reducing the Impostor Phenomenon. FronPers in Psychology, 11, 405. hops://doi.org/10.3389/fpsyg.2020.00405



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