Ein Beitrag von Larissa Renz und Lea Sophie Fuchs
Wann hast du das letzte Mal jemandem geholfen? Wie hast du dich danach gefühlt? Hattest du vielleicht ein kleines Lächeln im Gesicht oder hast dich einfach gut gefühlt?
Im Folgenden erfährst du, dass Helfen nicht nur die unterstützte Person, sondern auch den Helfenden glücklich macht. Dabei gibt es aber auch noch eine andere Seite der Medaille.
Helfen kann man auf unterschiedlichste Art und Weise, sei es einem Freund beim Umzug zu helfen, jemandem den Weg zu erklären oder die Einkaufstasche einer alten Dame zu tragen. Zum Helfen gehören aber auch Aktivitäten, die mehr Zeit in Anspruch nehmen, wie beispielsweise die Durchführung eines Ehrenamts. Laut Statista führten im Jahr 2024 etwa 16,42 Millionen Menschen in Deutschland ein Ehrenamt aus.
Warum helfen wir eigentlich?
Warum helfen über 16 Millionen Menschen, obwohl sie kaum Aufwandsentschädigung dafür bekommen? Ist es Langeweile? Oder macht es sich schick im Lebenslauf?
In einer repräsentativen Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Jahr 2013 gaben 73% der Befragten an, dass bei ihnen die Freude zu Helfen im Vordergrund steht. Auf Platz 2 und 3 folgten der Wunsch anderen zu helfen (54%) und die Bedeutung der jeweiligen Gruppe für einen selbst (49%). Letzteres bedeutet, dass die Gruppe, um die man sich kümmert, einem besonders am Herzen liegt.
Macht Helfen glücklich? Das sagt die Wissenschaft
Für 73% der Ehrenamtlichen ist Freude die Hauptmotivation zu Helfen. Aber macht Helfen wirklich glücklich und vielleicht sogar gesünder?
Eine Studie (Schwartz & Sendor, 1999) begleitete chronisch kranke Menschen, die andere Erkrankte über zwei Jahre unterstützten. Dabei verbesserte sich bei den Helfern Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Außerdem sind sie offener und toleranter gegenüber anderen Menschen geworden.
Eine Zusammenfassung mehrerer Studien (Von Bonsdorff & Rantanen, 2011) zeigte, dass sozial engagierte Personen über 60, besser in der Lage sind, ihre Gesundheit und Lebenszufriedenheit korrekt einzuschätzen. Eine weitere Studie (Brown et al., 2003) fand heraus, dass das Helfen sogar Einfluss auf die eigene Sterblichkeit haben kann. In dieser Studie wurden in den 1980ern ältere, verheiratete Paare aus Detroit über fünf Jahre begleitet. Die Sterblichkeitsrate war bei Personen geringer, die ihren Ehepartner oder andere Menschen in ihrem Umkreis unterstützten. Dabei wurden andere Faktoren kontrolliert, die die Sterblichkeit beeinflussen können. Dazu gehörten Alter, Geschlecht, körperliche und mentale Gesundheit, Persönlichkeitsmerkmale sowie der sozioökonomische Status. Dadurch konnte ausgeschlossen werden, dass der Effekt von Helfen auf die Sterblichkeit durch einen dieser Faktoren erklärt werden kann. Von 846 Befragten, starben im Laufe der Studie 134 Personen. Das Risiko, im Zeitraum der Studie zu sterben, war bei Personen, die Freunde, Verwandte oder Nachbarn durch praktische Hilfe unterstützten, um das 0.61 fache geringer, als bei Personen, die selbst Unterstützung erhielten. Bei Personen, die ihren Ehepartner emotional unterstützten, war das Sterberisiko um das 0.70 fache verringert im Vergleich zu Personen, die selbst Unterstützung bekamen. Wie die Studie zeigt, kann Helfen Einfluss auf die eigene Sterblichkeit haben, egal auf welche Art man hilft. Ob jemand Unterstützung erhält oder nicht, beeinflusste die Sterblichkeit dagegen überraschenderweise nicht.
Wow, Helfen macht uns also glücklich und lässt uns sogar länger leben? Dann nehmen wir uns ab jetzt vor, so viel und so oft es geht zu helfen. Statt unser Dopamin mit Schokolade aufzuputschen, helfen wir also jetzt. Naja, nicht ganz, denn genau wie der übermäßige Verzehr von Schokolade zu unerwünschten Nebenwirkungen führt, hat auch Helfen seine Grenzen.
Gibt es ein Zuviel an Helfen?
Hast du dich schonmal erschöpft gefühlt, nachdem du schon wieder einer Freundin unter die Arme gegriffen hast? Hättest du lieber einen ruhigen Abend für dich gehabt, konntest aber nicht „Nein“ sagen?
So geht es vielen hilfsbereiten Menschen mal. Wenn du aber regelmäßig deine eigenen Grenzen überschreitest und immer versuchst anderen zu helfen, kann das negative Konsequenzen für dich haben. Eine Studie (Maringgele et al., 2023) hat Pflegepersonal, das mit Covid 19 Patienten arbeitet, und Personen aus „nicht helfenden Berufen“ per Online Fragebogen zu Persönlichkeitseigenschaften und Wohlbefinden befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass es in beiden Berufsgruppen ähnlich viele Personen gab, die zu viel helfen und begannen ihre eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen. Diese Personen fühlten sich schlechter, wodurch bei ihnen depressive Symptome auftreten können. Laut dem Autor Garms-Homolová (2022) tendieren solche Personen dazu sonstige Verpflichtungen, andere soziale Beziehungen und ihre physische und psychische Gesundheit zugunsten der Unterstützung anderer zu vernachlässigen.
Folglich steht eines fest: Du musst nicht Mutter Teresa 2.0 werden, um glücklich zu sein. Vielleicht denkst du dir das nächste Mal, wenn du dir beim Kauf deiner Lieblingsschokolade einen Dopaminschub erhoffst, dass es dich genauso glücklich machen kann, deiner Nachbarin die Einkaufstasche hochzutragen. Aber Vorsicht, behalte dabei immer auch deine eigenen Grenzen im Auge. Nicht dass du am Schluss zwar anderen eine Freude machst, dabei aber deine eigene Gesundheit gefährdest.
Fazit: Helfen ist wie Schokolade, es macht glücklich, aber nur wenn wir es nicht übertreiben.
Literatur
Brown, S. L., Nesse, R. M., Vinokur, A. D., & Smith, D. M. (2003). Providing social support may be more beneficial than receiving it: Results from a prospective study of mortality. Psychological Science, 14(4), 320–327. https://doi.org/10.1111/1467-9280.14461
Garms-Homolová, V. (2022). Sozialpsychologie der Zuneigung, Aufopferung und Gewalt: Über Liebe, prosoziales Verhalten, Aggression und Hass. Springer Berlin Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-64355-6
Institut für Demoskopie Allensbach. (2013). Motive des bürgerschaftlichen Engagements—Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung (IfD-Umfrage 11012). Institut für Demoskopie Allensbach. https://www.ifd-allensbach.de/fileadmin/studien/Engagement_Motive_Bericht.pdf
Maringgele, V. E., Scherr, M., Aichhorn, W., & Kaiser, A. K. (2023). Helper syndrome and pathological altruism in nurses – a study in times of the COVID-19 pandemic. Frontiers in Psychology, 14, 1150150. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2023.1150150
Schwartz, C. E., & Sendor, R. M. (1999). Helping others helps oneself: Response shift effects in peer support. Social Science & Medicine, 48(11), 1563–1575. https://doi.org/10.1016/S0277-9536(99)00049-0
Statista. (2024, Dezember 19). Verbreitung ehrenamtlicher Arbeit in Deutschland 2024. Statista. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/173632/umfrage/verbreitung-ehrenamtlicher-arbeit/
Von Bonsdorff, M. B., & Rantanen, T. (2011). Benefits of formal voluntary work among older people. A review. Aging Clinical and Experimental Research, 23(3), 162–169. https://doi.org/10.1007/BF03337746





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