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Medienpsychologie

Neid – warum es manchmal schwer sein kann sich aufrichtig mit anderen über deren Erfolge zu freuen

18. November 2025 By Constanze Leave a Comment

Neid. Dieses unangenehme Ziehen im Bauch, wenn man durch LinkedIn scrollt und die Erfolge und Beförderungen von Kolleg:innen sieht, die ehemalige Schulkameradin auf Instagram ihr perfektes Leben im Van dokumentiert, mit dem sie um die Welt reist. Oh, und irgendwie scheinen alle Leute Häuser zu bauen oder zu kaufen und ein Bilderbuchleben zu führen. Dabei wissen wir eigentlich: Neid ist ungesund, unproduktiv und lässt ein unangenehmes Gefühl zurück.

Doch was ist Neid eigentlich – psychologisch gesehen? Und ist er wirklich nur destruktiv oder kann er auch hilfreich sein?

Zwei Arten von Neid: konstruktiv vs. destruktiv

Psychologisch betrachtet ist Neid nicht gleich Neid. Die Forschung unterscheidet zwischen konstruktivem („benign envy“) und destruktivem („malicious envy“) Neid.

Konstruktiver Neid kann uns antreiben. Er entsteht, wenn wir den Erfolg anderer als Inspiration nutzen, selbst etwas zu verändern.
Destruktiver Neid hingegen ist die dunkle Seite – wir gönnen dem anderen seinen Erfolg nicht und wünschen uns vielleicht sogar, dass er ihn verliert.

Van de Ven und Kolleg:innen (2009) zeigten in einer Reihe von Experimenten, dass diese zwei Formen unterschiedlich erlebt und verarbeitet werden – mit deutlichen Konsequenzen für Motivation, Leistung und soziale Beziehungen.

Was im Gehirn passiert, wenn wir neidisch sind

Neid ist nicht nur ein unangenehmes fuzzy Gefühl – es ist messbar. In einer funktionellen MRT-Studie fanden Takahashi und Kolleg:innen (2009) heraus, dass Neid mit erhöhter Aktivität im anterioren cingulären Cortex verbunden ist – einem Areal, das auch bei Schmerz aktiviert wird. Kurz gesagt: Neid tut weh. Und das nicht nur metaphorisch sondern körperlich spürbar.

Neid 2.0 – oder: Wie Social Media unsere Gefühle beeinflusst

Social Media ist prädestiniert dafür, Neid auszulösen – schliesslich ist es eine Plattform, auf der Menschen vor allem die Sahnehäubchen-Momente ihres Lebens teilen. Eine neuere Studie von Lin und Kolleg:innen (2021) untersuchte den Zusammenhang zwischen Social-Media-Nutzung, Neid und depressiver Verstimmung. Sie fanden, dass besonders bei passivem Konsum von Inhalten („doomscrolling“) das Risiko für Neidgefühle erhöht ist – und diese wiederum negative Selbstbewertungen verstärken.

Mit anderen Worten: Wer sich stundenlang durch perfekt gefilterte Urlaubsbilder und Erfolgspostings scrollt, wird sich danach höchstwahrscheinlich weniger gut fühlen als vorher.
Aber: Man kann das Thema auch selbst in die Hand nehmen. In einer Studie, die Prof. Markus Appel, zwei Kolleg:innen und ich (2018) durchgeführt haben, konnten wir zeigen, dass vor allem aktive Social-Media-Nutzung positive Effekte auf die sogenannte Selbstkonzept-Klarheit haben kann – also das Gefühl, zu wissen, wer man ist und wofür man steht.
Wie so oft hängt die Wirkung von Social Media davon ab, was man dort macht und wie man konsumiert bzw. beiträgt. Richtig genutzt kann Social Media sogar ein Werkzeug zur Selbststärkung sein.

Und was tun wir jetzt damit?

Hier kommt die gute Nachricht: Neid ist ein zutiefst menschliches und völlig normales Gefühl – und kann ein potenzieller Wegweiser sein. Wer genau hinschaut, merkt oft, dass Neid uns zeigt, was uns selbst wichtig ist. Er kann ein emotionaler Hinweis darauf sein, wo wir unzufrieden sind, uns vergleichen oder wo wir wachsen möchten.

Tipps im Umgang mit Neid

  1. Neid anerkennen, nicht wegdrücken. Gefühle wollen gesehen werden – auch die unangenehmen.
  2. Ursache analysieren: Was genau beneide ich? Den Erfolg? Die Anerkennung? Die Freiheit?
  3. Ziele ableiten: Wie kann ich aktiv werden, statt zu vergleichen?
  4. Digital Detox: Weniger Social Media = weniger Vergleich = weniger Neid.
  5. Mitgefühl kultivieren – für andere und für dich selbst.

Fazit: Neid ist kein Zeichen moralischen Versagens, sondern ein Zeichen innerer Bewegung. Wer ihn klug reflektiert, kann ihn sogar als Werkzeug nutzen. Denn dort, wo Neid auftritt, steckt oft ein unerfülltes Bedürfnis – nach Anerkennung, Freiheit, Zugehörigkeit oder Selbstwirksamkeit. Wenn wir diesen Kern erkennen, verwandelt sich Neid vom lähmenden Gefühl zum Motor für Veränderung.
Oder, um es mit Timothée Chalamet zu sagen: „You are the master of your fate, the captain of your soul.“
Vielleicht ist das der schönste Gedanke zum Schluss: Wir sind Gefühlen nicht hilflos ausgeliefert – weder den Erfolgen anderer noch unserem eigenen Neid –, sondern können die Richtung und die Impulse, die wir daraus ableiten selbst bestimmen.

Literatur

  • Appel, M., Schreiner, C., Weber, S., Mara, M., & Gnambs, T. (2018). Intensity of Facebook use is associated with lower self-concept clarity: Cross-sectional and longitudinal evidence. Journal of Media Psychology: Theories, Methods, and Applications, 30(3), 160–172.
  • Lin, R., Utz, S., & Bröer, C. (2021). Being green in a sea of green: Envy and social comparison on social network sites. New Media & Society, 23(9), 2584–2603. https://doi.org/10.1177/1461444820933250
  • Takahashi, H., Kato, M., Matsuura, M., Mobbs, D., Suhara, T., & Okubo, Y. (2009). When your gain is my pain and your pain is my gain: Neural correlates of envy and schadenfreude. Science, 323(5916), 937–939. https://doi.org/10.1126/science.1165604
  • Van de Ven, N., Zeelenberg, M., & Pieters, R. (2009). Leveling up and down: The experiences of benign and malicious envy. Emotion, 9(3), 419–429. https://doi.org/10.1037/a0015669

Filed Under: Allgemein, Emotionen, Medienpsychologie Tagged With: Emotionen, Gefühle, Neid, Social Media, Soziale Medien

Pamela, zeig uns deinen (Schwimm-)Reif

23. Februar 2022 By Constanze Leave a Comment

Franziska Ströhm & Leonie Peters

Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Und in der Belichtung. Und im Kontrast. Unrealistische Schönheitsideale überfluten insbesondere bildbasierte Social-Media-Plattformen wie Instagram. Immer mehr Influencerinnen lassen deswegen nun die perfekte Hülle fallen und zeigen: Instagram ist nicht gleich Reality. 

Und mal ehrlich: wer kennt es nicht? Ich liege sonntagnachmittags in Jogginghose auf der Couch und schaue mir zum dritten Mal das Staffelfinale von Pretty Little Liars an. In der einen Hand einen Schokoriegel, in der anderen das Handy, scrolle ich durch Instagram. Nach dem dritten Bikinifoto einer selbstbewusst lächelnden Schönheit fängt die Vergleichsmaschine an zu rattern. Ihre sonnengebräunten Beinchen, meine Jogginghosenstampfer. Ihr eingeölter Waschbrettbauch, meine Chipskrümel im Bauchnabel. Ihr strahlendes Lächeln, mein verzweifelter Blick in den Spiegel als ich realisiere, dass ich so schön niemals sein werde. Aber wieso stört mich das überhaupt, wenn ich doch ausgesprochen zufrieden mit meinem Couch-Tag war? 

Nach der Theorie des Psychologen Leon Festinger hat jeder Mensch das Bedürfnis, die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu verbessern (Festinger, 1954). Bilde ich meine Visionen, Ansprüche und Motivationen, indem ich mich an anderen orientiere, nennt Festinger das den “sozialen Vergleich”. Dabei vergleichen wir uns vor allem mit Leuten, die uns ähnlich scheinen. Betrachte ich eine Person, die ich mir selbst als unterlegen wahrnehme, wird der Vergleich als “abwärtsgerichtet” bezeichnet. Dies kann gut für meinen Selbstwert und meine Körperwahrnehmung sein, jedoch meine Veränderungsmotivation schmälern. Wähle ich eine Vergleichsperson, welche mir in den für mich relevanten Merkmalen überlegen scheint, vergleiche ich mich “aufwärts”. Dies kann zwar sehr inspirierend wirken, jedoch meine Selbst- und Körperwahrnehmung verschlechtern. Wenn meine beste Freundin nach ihrer neuen Diät im Freibad alle Blicke auf sich zieht, nagt das doch etwas an meinem Selbstwertgefühl. 

Instagram ist eine Social-Media-Plattform, die zu jeder Tages- und Nachtzeit Material für den aufwärtsgerichteten Vergleich bietet. Influencerinnen zeigen ihr scheinbar alltägliches und dennoch perfekt inszeniertes Leben und werden so zur Vergleichsgruppe für junge Frauen. Die Wissenschaft mahnt Instagram überwiegend mit erhobenem Zeigefinger, denn sie zeigt: Dem Körperbild junger Frauen tut der ständige Aufwärtsvergleich nicht gut. Je häufiger und intensiver sie Instagram nutzen, desto eher neigen sie zur Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, einem geringen Selbstwertgefühl und depressiven Symptomen (Sherlock & Wagstaff, 2019). Manchmal ertappe ich mich selbst dabei, dass ich eine andere Person schlecht rede, obwohl (oder gerade weil) ich sie insgeheim beneide. Wenn Vergleichspersonen “zu perfekt” sind, fällt es mir schwer, mich mit ihnen zu identifizieren. Das nennt sich “Kontrasteffekt”. Ich nehme die Vergleichsperson als so anders wahr, dass ich gar nicht erst anfange, Gemeinsamkeiten zu suchen, sondern mit Ablehnung und Missgunst auf sie reagiere (Meier & Schäfer, 2018; Meier, Gilbert, Börner & Possler, 2020). Manchmal ertappe auch ich mich dabei, wie ich eine andere Person schlecht rede obwohl – oder gerade, weil – ich sie insgeheim beneide. Diese Form von Neid ist destruktiv… aber Moment, kann Neid auch konstruktiv sein?

Einige Influencerinnen haben sich die negativen Auswirkungen von Instagram auf das Körperbild junger Frauen zum Anlass genommen, einer Gegenbewegung zu folgen: “Instagram vs. Reality”. Sie posten jeweils zwei Bilder. Eines entsprechend der gängigen Instagram-Perfektion: ihr trainierter Körper, inszeniert in schmeichelnder Pose und passender Belichtung. Direkt daneben ein weiteres, welches die Realität abbilden soll: ihr Körper unvorteilhaft gebeugt, Dehnungsstreifen und Orangenhaut im Bildfokus. Instagram-Nutzerinnen sollen darauf aufmerksam gemacht werden, dass “der perfekte Körper” nicht existiert. Der eingeölte Waschbrettbauch meines Vorbildes sieht dann plötzlich gar nicht mehr so trainiert aus, wenn sie so wie ich entspannt auf der Couch lümmelt. Das Gefühl, nicht gut genug zu sein, schlägt in wohlwollende Sympathie um. Ein bisschen Neid ist zwar immer noch da, aber eigentlich ist mein Vorbild doch gar nicht so anders als ich. Wenn sie es also schafft, erfolgreich zu sein, könnte ich mich morgen doch auch mal wieder aufraffen und Joggen gehen. Wenn die innere Vergleichsmaschine so arbeitet, entsteht ein sogenannter Assimilationseffekt (Meier & Schäfer, 2018; Meier, Gilbert, Börner & Possler, 2020). Weil die Vergleichsperson nahbar ist, kann ich mich mit ihren positiven Eigenschaften identifizieren – und bin motiviert. Neid kann sich so auch konstruktiv anfühlen. 

In der Theorie sollte ich mich also besser fühlen, wenn mein Startfeed auf Instagram mir neben makellosen Bikinifotos auch ganz alltägliche Bilder von Frauen in Jogginghosen-Sonntagslaune präsentieren würde. Marika Tiggemann und Isabella Anderberg, Psychologinnen der Flinders University in Australien, haben einen in einer Studie versucht, das zu prüfen. Dafür haben sie 305 Frauen im Alter von 18-30 Jahren zufällig in drei Gruppen eingeteilt. Der ersten Gruppe wurden “Instagram vs. Reality”-Fotos gezeigt. Die zweite Gruppe schaute sich nur die perfekten Fotos an, die in aller Manier bearbeitet wurden. Der dritten Gruppe wurden nur Fotos vorgelegt, die reale Körper ohne Filter zeigten. Alle Teilnehmerinnen gaben außerdem an, wie zufrieden sie mit ihren Körpern sind. Wie erwartet zeigte die Studie, dass die beiden Gruppen, die sich “Reality” und “Instagram vs. Reality”-Fotos ansahen, zufriedener mit ihrem eigenen Körper waren als die Gruppe, die sich nur perfekte Fotos anschaute (Tiggemann & Anderberg, 2020). Der Unterschied zwischen den drei Gruppen zeigt uns jedoch nicht, ob perfekte Instagram-Bilder das eigene Körperbild verschlechtern oder “Reality”-Fotos es verbessern – vielleicht ja sogar beides. 

Wir dürfen trotzdem wichtige Schlüsse daraus ziehen. Wer selbst ein Instagram-Profil hat, darf neben schönen Urlaubsbildern und gestellten Fotos aus dem Fitnessstudio auch gerne mal ein realistisches, ganz alltägliches Foto hochladen. Für uns als Followerinnen heißt das: Wenn der Blick auf Instagram bei mir ein schlechtes Gefühl bewirkt, ist das in Ordnung. Das geht nicht nur mir so. Mir bleibt aber die Wahl, wem ich folge und welche Vorbilder ich mir suche. Zudem tut es gut zu verstehen, dass ich mich unwohl fühle, weil ich mich aufwärtsvergleiche. 

Die Wissenschaft besinnt sich neben all den kritischen Stimmen also ihres erhobenen Zeigefingers und lehrt uns: Social-Media bietet den Userinnen auch eine Chance. Die Chance, sich mit realistischen Vorbildern zu vergleichen und den eigenen Körper ein kleines bisschen mehr zu akzeptieren. Mein Sonntagsoutfit betrachte ich etwas versöhnlicher und greife nochmals beherzt in die Chipstüte.

Literatur  

  • Festinger, L. (1954). A theory of social comparison processes. Human relations, 7, 117-140.
  • Meier, A., Gilbert, A., Börner, S., & Possler, D. (2020). Instagram inspiration: How upward comparison on social network sites can contribute to well-being. Journal of Communication, 70(5), 721-743. https://doi.org/10.1093/joc/jqaa025 
  • Meier, A., & Schäfer, S. (2018). The positive side of social comparison on social network sites: How envy can drive inspiration on Instagram. Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking, 21, 411–417.https://doi:10.1089/cyber.2017.0708
  • Sherif, M., & Hovland, C. I. (1961). Social judgment: Assimilation and contrast effects in communication and attitude change.
  • Sherlock, M., & Wagstaff, D. L. (2019). Exploring the relationship between frequency of Instagram use, exposure to idealized images, and psychological well-being in women. Psychology of Popular Media Culture, 8, 482.
  • Tiggemann, M., & Anderberg, I. (2020). Social media is not real: The effect of ‘Instagram vs reality’images on women’s social comparison and body image. New Media & Society, 22, 2183-2199.

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