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Allgemein

Der Barnum-Effekt: Warum Horoskope Quatsch sind

5. Januar 2026 By Constanze Leave a Comment

Ich bin Psychologin und glaube nicht an Horoskope. Meine Mama und ich haben das gleiche Sternzeichen und als liebevolle Serviceleistung checkt sie jedes Jahr im Januar sämtliche Jahreshoroskope diverser Zeitschriften. Mir gibt sie dann ausschließlich die guten zum Lesen. Das mache ich gern. Nicht, weil ich plötzlich an die Sterne glaube, sondern weil ich um die Kraft von Self-fulfilling Prophecies weiß.

Ich glaube trotzdem nicht an Horoskope. Vor allem, weil ich den Barnum-Effekt kenne.

Warum sich Horoskope so erschreckend passend anfühlen

Der Barnum-Effekt beschreibt unsere Tendenz, vage und allgemein formulierte Aussagen als hochgradig persönlich zutreffend zu erleben.

Je positiver, widersprüchlicher und wohlwollender eine Aussage ist, desto besser funktioniert sie. Aber was sich stimmig anfühlt, muss nicht wahr sein.

Eine sehr bekannte Studie sei an dieser Stelle erwähnt, die Horoskope ziemlich entzaubert. 1948 liess der US-amerikanische Psychologe Bertram R. Forer seine Studierenden einen Persönlichkeitstest absolvieren. Anschliessend händigte er jedem das Testergebnis aus, angeblich eine individuelle Charakterbeschreibung aus. Die Studierenden sollten auf einer Skala von 0 (poor «mangelhaft») bis 5 (perfect «perfekt») angeben inwieweit sie die Aussagen als für sich zutreffend empfanden. Der Durschnitt über alle Studierende lag bei 4.26 – eine starke Zustimmung.

Tatsächlich hatte Forer die Persönlichkeitstest weder ausgewertet noch personalisierte Profile erstellt. Alle Studierende erhielten exakt dasselbe Profil vorgelegt, bestehend aus typischen Barnum Aussagen.

In späteren Variationen solcher Studien, konnte gezeigt werden, dass die hohe Zustimmung selbst dann bestehen bleibt, wenn die Texte ursprünglich die Beschreibung völlig anderer Personen sind, unter anderem auch Profile, die auf den astrologischen Daten krimineller Personen angefertigt wurden (Dickson & Kelly, 1985; Gauquelin, 1980).

Typische Barnum-Aussagen

Barnum Aussagen mangelt es typischerweise an Objektivität und Falsifizierbarkeit. Sie betonen Aspekte, die vielen Menschen gemeinsam sind oder Eigenschaften, die wir gerne über uns selbst glauben.

Hier ein paar klassische Beispiele:

  • „Du hast hohe Ansprüche an dich selbst, bist aber manchmal unsicher, ob du ihnen gerecht wirst.“
  • „Du wirkst nach außen selbstbewusst, zweifelst innerlich jedoch öfter, als andere vermuten.“
  • „Du brauchst Anerkennung, legst aber großen Wert darauf, unabhängig zu bleiben.“
  • „Du bist sensibel für Stimmungen, auch wenn du das nicht immer zeigst.“
  • „Manchmal ziehst du dich zurück, obwohl du eigentlich Nähe brauchst.“
  • „Du hast ungenutztes Potenzial, das du unter den richtigen Umständen entfalten könntest.“
  • „Du kannst sehr diszipliniert sein, erlaubst dir aber auch Phasen der Nachlässigkeit.“
  • „Du bist loyal gegenüber Menschen, die dir wichtig sind – Enttäuschungen treffen dich dafür besonders.“
  • „Du denkst viel über dich selbst nach und stellst dir existenzielle Fragen, auch wenn dein Alltag oft sehr pragmatisch wirkt.“

Die meisten Menschen können bei mindestens 70% der Aussagen innerlich nicken. Barnum Aussagen werden nicht nur für Horoskope genutzt sondern finden auch beim Wahrsagen, Cold Reading, Coaching-Angeboten und im Human Design Anwendung.

Es gibt wissenschaftlich belegte saisonale Effekte.
Wissenschaftlich betrachtet spielt der Geburtszeitpunkt tatsächlich eine Rolle – allerdings nicht astrologisch, sondern entwicklungspsychologisch und sozial.

Besonders gut untersucht ist der sogenannte Relative-Age-Effekt. Je nach Geburtszeitpunkt sind Kinder innerhalb einer Schulklasse relativ gesehen älter oder jünger als der Klassendurchschnitt. Diese scheinbar kleinen Altersunterschiede haben messbare Konsequenzen: Relativ ältere Kinder zeigen im Durchschnitt bessere schulische Leistungen, erhalten positivere Lehrerurteile, entwickeln ein stärkeres akademisches Selbstkonzept und schlagen häufiger anspruchsvollere Bildungswege ein (Cobley et al., 2009; Bedard & Dhuey, 2006).

Der Effekt ist nicht auf die Schule beschränkt. Auch im Sport zeigt sich, dass relativ ältere Kinder häufiger ausgewählt, intensiver gefördert und langfristig erfolgreicher im Leistungssystem verbleiben (Musch & Grondin, 2001). Nicht, weil sie talentierter geboren wären, sondern weil sich kleine Alterstunterschiede und damit einhergehende körperliche Entwicklung über Jahre hinweg zu systematischen Vorteilen entwickeln können.

Darüber hinaus gibt es Hinweise auf kleine saisonale Effekte, etwa durch Lichtverhältnisse während der Schwangerschaft, die hormonelle Prozesse beeinflussen können (Boland et al., 2015). Auch Infektions- und Stressbelastungen in bestimmten Jahreszeiten sind mit statistisch minimalen Entwicklungsunterschieden assoziiert (Davies et al., 2003).

Wichtig dabei ist: Diese Effekte sind klein, wirken auf Gruppenebene und sind wahrscheinlichkeitsbasiert. Sie erlauben keine Aussagen über individuelle Persönlichkeit, Charakter oder Lebensverlauf.

Was nun? Horoskop lesen, ja oder nein

Ich persönlich lese die von meiner Mama kuratierten Horoskope und freue mich, ein paar freundliche Gedanken mit ins Jahr zu nehmen.

Wenn es jedoch um Persönlichkeit, Entwicklung und Verhalten geht, sind empirische Forschung, Selbstreflexion und Rückmeldungen aus dem eigenen Umfeld die deutlich besseren Berater:innen.

Literatur

  • Bedard, K., & Dhuey, E. (2006). The persistence of early childhood maturity: International evidence of long-run age effects. The Quarterly Journal of Economics, 121(4), 1437–1472.
  • Boland, M. R., Shahn, Z., Madigan, D., Hripcsak, G., & Tatonetti, N. P. (2015). Birth month affects lifetime disease risk: A phenome-wide method. Journal of the American Medical Informatics Association, 22(5), 1042–1053.
  • Cobley, S., Baker, J., Wattie, N., & McKenna, J. (2009). Annual age-grouping and athlete development: A meta-analytical review of relative age effects in sport. Sports Medicine, 39(3), 235–256.
  • Davies, G., Welham, J., Chant, D., Torrey, E. F., & McGrath, J. (2003). A systematic review and meta-analysis of Northern Hemisphere season of birth studies in schizophrenia. Schizophrenia Bulletin, 29(3), 587–593.
  • Dickson, D. H., & Kelly, I. W. (1985). The “Barnum effect” in personality assessment: A review of the literature. Psychological Reports, 57(2), 367–372.
  • Forer, B. R. (1949). The fallacy of personal validation: A classroom demonstration of gullibility. Journal of Abnormal and Social Psychology, 44(1), 118–123.
  • Furnham, A., & Schofield, S. (1987). Accepting personality traits as true: The Barnum effect and astrology. Personality and Individual Differences, 8(2), 211–215.
  • Merton, R. K. (1948). The self-fulfilling prophecy. The Antioch Review, 8(2), 193–210.
  • Michel Gauquelin: Dreams and Illusions of Astrology. Glover & Blair, London 1980, ISBN 978-0-906681-04-6.
  • Musch, J., & Grondin, S. (2001). Unequal competition as an impediment to personal development: A review of the relative age effect. Developmental Review, 21(2), 147–167.
  • Nickerson, R. S. (1998). Confirmation bias: A ubiquitous phenomenon in many guises. Review of General Psychology, 2(2), 175–220.

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Der wilde Dezember

15. Dezember 2025 By Constanze Leave a Comment

Mein linkes Augenlid zuckt – seit Wochen. Und ja, bevor die Tipps kommen: Ich nehme schon lange Magnesium. Das Flattern bleibt. Vielleicht liegt es also gar nicht (nur) am Mineralstoffmangel. Vielleicht liegt es einfach am Dezember.

Dezember ist besonders. Er vergeht gefühlt besonders schnell. Er wird häufig als besonders stressig wahrgenommen und auch die Deadlines fühlen sich besonders krass an. Obwohl es ja – abgesehen von Dingen, wie dem betrieblichen Jahresabschluss – im Januar ganz normal weitergeht.

Psychologisch gesehen ist der Dezember ein besonderer Monat, nicht nur Monat 12 im Jahresverlauf sondern: Er ist ein Schlusspunkt.

Der Dezember als psychologisches Schlusskapitel: Need for Cognitive Closure

Wenn etwas zu Ende geht, entsteht in uns Menschen ein tiefes Bedürfnis nach Abschluss, Klarheit, Ordnung. In der Psychologie nennt man das Need for Cognitive Closure (Kruglanski, 1990): das Bedürfnis, offene Fragen zu schließen und Unsicherheiten zu reduzieren. Normalerweise spüren wir das diffus – mal mehr, mal weniger. Aber zum Jahresende wird es maximal sichtbar. Der 31. Dezember ist eine kulturelle Vollbremsung – alles ruft laut: «Bitte einmal alles abschliessen!», «Auf geht’s, Haken dran!» und «bitte einmal alles aufräumen». Und plötzlich bekommen Dinge Gewicht, die uns elf Monate lang egal waren: Das Email-Postfach aufräumen, Daheim ausmisten, Projekte abschliessen und so weiter. Psychologisch gesehen wollen wir allerdings nicht (nur) das realweltliche Chaos beseitigen sondern vor allem kognitive Spannung reduzieren, die offene Enden erzeugen.

Der Dezember-Erschöpfungspeak

Während wir im Kopf im Abschlusssprint sind, ist der Körper oft längst müde. Viele Menschen starten schon mit erschöpften Ressourcen in den Dezember, lange bevor der Monat beginnt.

Die Stressforschung zeigt deutlich: Belastung wirkt nicht linear, sondern kumuliert sich über das Jahr (McEwen, 1998). Das heißt: Wir nehmen Stress aus den vorherigen Monaten mit – auch wenn wir glauben, «ihn weggesteckt zu haben» oder bestimmte «stressige Phasen überstanden zu haben». Heisst, der Dezember erzeugt also nicht nur Erschöpfung, er offenbart sie.

Ja is denn heut schon Weihnachten? Warum der Dezember so schnell vergeht

Der Dezember rauscht vorbei – die Termine für Fotokalender-Bestellungen und Versand-Deadlines für Weihnachtsgeschenke kommen immer zu schnell und dafür gibt es psychologisch gesehen drei Gründe.

1. Ereignisdichte beschleunigt Zeitwahrnehmung

Generell gilt: Je mehr Ereignisse, desto schneller vergeht die Zeit subjektiv. Das zeigt die Forschung zur „Time Perception under Cognitive Load“: Wenn kognitive Ressourcen durch Ereignisse gebunden sind, verkürzt sich unser Zeitgefühl (Block et al., 2010).
Der Dezember ist der kognitiv – und oft auch faktisch – vollste Monat des Jahres. Der Mental Load erreicht ungeahnte Höhen, und eine Weihnachtsfeier jagt das nächste soziale Event. Kurzum: perfekte Bedingungen für einen inneren Zeitraffer.

2. Übergänge verändern die Zeiterfahrung

Ebenso gilt: Je näher ein bedeutsamer Übergang rückt, desto intensiver erleben wir die Zeit davor. Forschung zu sogenannten Temporal Landmarks zeigt, dass Übergänge – wie ein Jahresende – vom Gehirn als psychologische Orientierungspunkte abgespeichert werden (Dai, Milkman & Riis, 2014). Sie aktivieren den sogenannten Fresh-Start-Effekt: das Gefühl, dass ein neues Kapitel beginnt und man noch schnell „aufräumen“ oder sich neu ausrichten möchte.
Dadurch fühlt sich der Dezember nicht wie ein gewöhnlicher Monat an, sondern wie die Vorbereitung auf etwas Neuem. Und in solchen Vor-Phasen läuft Zeit intuitiv anders: ein bisschen schneller, ein bisschen drängender, ein bisschen bedeutungsvoller.

3. Antizipation beschleunigt Gegenwart

Und: Je stärker wir gedanklich in der Zukunft leben, desto schneller gleitet die Gegenwart an uns vorbei. Studien zeigen, dass Zukunftsorientierung die Aufmerksamkeit für den Moment reduziert – und Zeit subjektiv schneller vergehen lässt (Zakay & Block, 1997).
Der Dezember ist ein Paradebeispiel dafür: „Bald sind Ferien“, „Nächstes Jahr mache ich…“, „Nur noch bis Weihnachten“. Wenn der Blick ständig nach vorne geht, fühlt sich die Zeit dazwischen an, als würde sie uns durch die Finger rinnen.

Wie man gut durch den Dezember kommt

Das klingt jetzt alles logisch nachvollziehbar, aber auch echt anstrengend. Der Dezember verlang viel von uns – von unserem Kopf, unserem Körper (hier ein kleiner Hinweis an diverse Weihnachtsessen) und vor allem von unseren Erwartungen. Und deswegen dürfen wir uns auch selbst was zu Weihnachten schenken:

  1. Die Erlaubnis, dass nicht alles fertig sein muss. Der Jahreswechsel funktioniert auch mit offenen Enden.
  2. Kleine Micro-Pausen im Alltag:
    •  30 Sekunden bewusst aus dem Fenster schauen bevor wir die nächste Mail öffnen und nur sein und atmen.
    • In der Tram nicht gleich das Handy zücken, sondern einfach kurz die Augen zu machen und einen kleinen Check zu machen «Wie fühle ich mich gerade? Was brauche ich gerade?»
    • Einmal bewusst auszuatmen und dabei die Schultern aktiv fallen zu lassen. (klingt trivial, aber bitte probiert das mal aus)
  3. Macht einen kleinen Jahresabschluss für euch¨
    •  Was sind drei schöne Erinnerungen aus diesem Jahr, denen ihr einen ganz besonderen Platz in eurem Herzen geben wollt?
    • Auf was seid ihr stolz, was habt ihr dieses Jahr alles geschafft? Da wir abgeschlossene Dinge super schnell vergessen – Zeigarnik-Effekt lässt grüssen – hilft hierfür oft einmal durch die Foto-Library am Handy zu scrollen.

Und ganz wichtig: Der Dezember ist aufgeladen von Erwartungen. Manchmal hilft auch zu fragen: woher kommen die Erwartungen, denke ich nur, dass etwas von mir erwartet wird und muss ich das erfüllen oder denkt das nur mein Kopf? Im Zweifel gerne mal nachfragen. Und falls euch bestimmte Traditionen stressen: Traditionen sind nicht gottgegeben. Man kann sie umdefinieren. vielleicht ist genau dieses Jahr der Moment, u damit anzufangen wollt. In diesem Sinne: Macht euch einen guten Dezember. Einen, der zu euch passt.

Wir lesen uns im Januar wieder.

Eure Constanze

Literatur

  • American Psychological Association. (2015). Stress in America: Paying with our health. APA.
  • Bennett, A. A., Gabriel, A. S., Calderwood, C., Dahling, J. J., & Trougakos, J. P. (2016). Better together? Examining profiles of employee recovery experiences. Journal of Applied Psychology, 101(12), 1635–1654.
  • Block, R. A., Hancock, P. A., & Zakay, D. (2010). How cognitive load affects duration judgments: A meta-analytic review. Acta Psychologica, 134(3), 330–343.
  • Dai, H., Milkman, K. L., & Riis, J. (2014). The fresh start effect: Temporal landmarks motivate aspirational behavior. Management Science, 60(10), 2563–2582.
  • Harvard Medical School. (2016). Holiday stress and the brain.
  • Lerner, J. S., & Keltner, D. (2001). Fear, anger, and risk. Journal of Personality and Social Psychology, 81(1), 146–159.
  • McEwen, B. S. (1998). Protective and damaging effects of stress mediators. New England Journal of Medicine, 338(3), 171–179.
  • Peetz, J., & Wilson, A. E. (2013). Marking time: Selective use of temporal landmarks as reminders of past selves. Personality and Social Psychology Bulletin, 39(12), 1684–1695.
  • Zakay, D., & Block, R. A. (1997). Temporal cognition. Current Directions in Psychological Science, 6(1), 12–16.

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Black Friday – Warum Rabatte uns plötzlich Dinge kaufen lassen, die wir gestern nicht einmal kannten

27. November 2025 By Constanze Leave a Comment

Es ist Black Week und, hast du schon was geshopped? Waren das Dinge, die du schon lange auf der Wunschliste hattest oder hast du tolle Schnäppchen entdeckt? Und hast du dich dabei vielleicht auch ein bisschen gestresst gefühlt und Produkte im Internet angesehen von denen du nicht sicher sagen könntest, ob du sie wirklich benutzen würdest. Black Friday ist genau so ein Tag – ein psychologischer Ausnahmezustand, der still und heimlich jedes Jahr einen kleinen kollektiven Kontrollverlust auslöst.

Plötzlich erscheinen einem Produkte sinnvoll, die man gestern noch nicht einmal auf dem Radar hatte. Und dann dieses Gefühl: das leise, aber insistente Flüstern in uns, das sagt: „Wäre doch beinahe unvernünftig, das jetzt nicht zu kaufen.“ Doch warum ist das so? Was macht dieser Tag mit uns?

Der Zauber der Rabatte: Wenn Prozente unser Denken verändern

Ein Rabatt ist nicht nur ein günstigerer Preis. Er ist ein Stimulus. Ein psychologischer Reiz, der in unserem Gehirn Dinge auslöst, die erstaunlich wenig mit rationalen Kaufentscheidungen zu tun haben. Neurowissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass das Belohnungszentrum aktiviert wird, sobald wir ein „Sale“-Schild sehen – noch bevor wir wissen, was überhaupt reduziert wurde (Knutson et al., 2007). Es ist ein bisschen so, als würde unser Gehirn auf Autopilot schalten: rote Prozentzeichen an → Dopamin an → Vernunft aus.

Dazu kommt ein weiterer Trick, den der Wirtschaftsnobelpreisträger Richard Thaler (1999) „mental accounting“ nennt: Wir haben gedankliche Konten wie „Sparen“ und „Investieren“, und Rabatte wandern fast automatisch ins „Spar-Konto“. Und wenn wir „sparen“, dann fühlt sich das gut an – auch wenn wir gerade Geld für etwas ausgeben, das wir ohne Rabatt nie angefasst hätten.

Der Zeitdruck: Ein Countdown gegen die Vernunft

Black Friday funktioniert nicht ohne Zeitdruck. „Nur heute!“, „Nur noch wenige Stunden!“ , der Timer der auf der Website, der unerbittlich runterzählt– diese Botschaften erzeugen das Gefühl, sofort handeln zu müssen. Und das ist psychologisch hoch wirksam.

Forschung zeigt, dass unter Zeitdruck unsere Fähigkeit, Entscheidungen abzuwägen, stark eingeschränkt ist. Statt gründlich nachzudenken, reagieren wir impulsiv (Suri et al., 2013). Das Gehirn liebt schnelle Lösungen. Und was ist schneller als ein Klick auf „Jetzt kaufen“?

Das überoptimistische „Future Self“

Ein weiterer Grund, warum wir an Rabatt-Tagen plötzlich zu ambitionierten Versionen unserer selbst mutieren: unser chronisch überschätztes zukünftiges Ich.

Dieses „Future Self“ ist diszipliniert, sportlich, organisiert, kocht regelmäßig und nutzt selbstverständlich jedes Gerät, das wir kaufen. Gestern waren wir vielleicht zu müde, die Wäsche zusammenzulegen – aber heute glauben wir, dass wir ab Montag täglich meal-preppen und auf der neuen Yogamatte meditieren werden.

Das ist der Optimism Bias (Sharot, 2011): Ein tief menschlicher Irrtum, der sagt: „Morgen werde ich ein neuer Mensch sein.“ Spoiler: werden wir selten.

Die versteckte Sehnsucht nach Kontrolle

Vielleicht ist Black Friday aber noch etwas anderes: eine kleine, stille Rebellion gegen den Alltag.

Ein Tag, der uns das Gefühl gibt, uns selbst etwas Gutes tun zu dürfen. Ein Klick als Mini-Belohnung. Ein Schnäppchen als kurzer Moment von „Ich darf mir etwas gönnen“.

In einer Welt, in der viele von uns ständig zwischen Arbeit, Care-Arbeit, Schlafmangel und Terminen jonglieren, fühlen sich kleine Impulskäufe manchmal wie eine Art Selbstfürsorge an – auch wenn sie das objektiv betrachtet nicht sind. Aber psychologisch ergibt das Sinn: Wir greifen nach Dingen, die Kontrolle, Komfort oder Verbesserung versprechen.

Wie man sich selbst ein bisschen schützt

1. Der Originalpreis-Test 
Stelle dir vor, der Rabatt existiert nicht. Würdest du das Produkt zum vollen Preis kaufen? Wenn die Antwort ein klares Nein ist, war die Motivation kein Bedürfnis, sondern ein Dopamin-Kick.

2. Die 24- bis 48-Stunden-Regel 
Dinge nicht sofort kaufen, sondern auf eine Liste setzen. Studien zeigen: Allein dieses Verschieben reduziert Impulskäufe deutlich (Kurdi et al., 2020).

3. Erlaubnis zur Gelassenheit 
Black Friday ist kein einmaliges kosmisches Ereignis. Rabatte kommen wieder. Januar-Sale, Mid-Season-Sale, Spring Deals – es wird nicht die einzigartige verpasst Chance sein, wenn wir heute nichts kaufen.

Fazit

Black Friday ist kein moralischer Test, sondern ein psychologisches Spielfeld. Wir sind nicht schwach, weil Rabatte uns beeinflussen. Das ist menschlich. Der Trick liegt darin, zu wissen, dass unser Gehirn an diesem Tag gerne Abkürzungen nimmt – und uns selbst genug Raum zu geben, um aus diesen Abkürzungen keine langfristigen Fehlkäufe werden zu lassen. Manchmal ist der beste Deal nicht der, den wir kaufen, sondern der, den wir nicht kaufen.

Literatur

  • Knutson, B., Rick, S., Wimmer, E., Prelec, D., & Loewenstein, G. (2007). Neural predictors of purchases. Neuron, 53(1), 147–156.
  • Kurdi, B., et al. (2020). The psychological benefits of list-making. Journal of Consumer Psychology, 30(3), 1–14.
  • Sharot, T. (2011). The optimism bias. Current Biology, 21(23), R941–R945.
  • Suri, R., et al. (2013). Price promotions and decision-making under time pressure. Journal of the Academy of Marketing Science, 41(1), 1–13.
  • Thaler, R. H. (1999). Mental accounting matters. Journal of Behavioral Decision Making, 12(3), 183–206.

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Neid – warum es manchmal schwer sein kann sich aufrichtig mit anderen über deren Erfolge zu freuen

18. November 2025 By Constanze Leave a Comment

Neid. Dieses unangenehme Ziehen im Bauch, wenn man durch LinkedIn scrollt und die Erfolge und Beförderungen von Kolleg:innen sieht, die ehemalige Schulkameradin auf Instagram ihr perfektes Leben im Van dokumentiert, mit dem sie um die Welt reist. Oh, und irgendwie scheinen alle Leute Häuser zu bauen oder zu kaufen und ein Bilderbuchleben zu führen. Dabei wissen wir eigentlich: Neid ist ungesund, unproduktiv und lässt ein unangenehmes Gefühl zurück.

Doch was ist Neid eigentlich – psychologisch gesehen? Und ist er wirklich nur destruktiv oder kann er auch hilfreich sein?

Zwei Arten von Neid: konstruktiv vs. destruktiv

Psychologisch betrachtet ist Neid nicht gleich Neid. Die Forschung unterscheidet zwischen konstruktivem („benign envy“) und destruktivem („malicious envy“) Neid.

Konstruktiver Neid kann uns antreiben. Er entsteht, wenn wir den Erfolg anderer als Inspiration nutzen, selbst etwas zu verändern.
Destruktiver Neid hingegen ist die dunkle Seite – wir gönnen dem anderen seinen Erfolg nicht und wünschen uns vielleicht sogar, dass er ihn verliert.

Van de Ven und Kolleg:innen (2009) zeigten in einer Reihe von Experimenten, dass diese zwei Formen unterschiedlich erlebt und verarbeitet werden – mit deutlichen Konsequenzen für Motivation, Leistung und soziale Beziehungen.

Was im Gehirn passiert, wenn wir neidisch sind

Neid ist nicht nur ein unangenehmes fuzzy Gefühl – es ist messbar. In einer funktionellen MRT-Studie fanden Takahashi und Kolleg:innen (2009) heraus, dass Neid mit erhöhter Aktivität im anterioren cingulären Cortex verbunden ist – einem Areal, das auch bei Schmerz aktiviert wird. Kurz gesagt: Neid tut weh. Und das nicht nur metaphorisch sondern körperlich spürbar.

Neid 2.0 – oder: Wie Social Media unsere Gefühle beeinflusst

Social Media ist prädestiniert dafür, Neid auszulösen – schliesslich ist es eine Plattform, auf der Menschen vor allem die Sahnehäubchen-Momente ihres Lebens teilen. Eine neuere Studie von Lin und Kolleg:innen (2021) untersuchte den Zusammenhang zwischen Social-Media-Nutzung, Neid und depressiver Verstimmung. Sie fanden, dass besonders bei passivem Konsum von Inhalten („doomscrolling“) das Risiko für Neidgefühle erhöht ist – und diese wiederum negative Selbstbewertungen verstärken.

Mit anderen Worten: Wer sich stundenlang durch perfekt gefilterte Urlaubsbilder und Erfolgspostings scrollt, wird sich danach höchstwahrscheinlich weniger gut fühlen als vorher.
Aber: Man kann das Thema auch selbst in die Hand nehmen. In einer Studie, die Prof. Markus Appel, zwei Kolleg:innen und ich (2018) durchgeführt haben, konnten wir zeigen, dass vor allem aktive Social-Media-Nutzung positive Effekte auf die sogenannte Selbstkonzept-Klarheit haben kann – also das Gefühl, zu wissen, wer man ist und wofür man steht.
Wie so oft hängt die Wirkung von Social Media davon ab, was man dort macht und wie man konsumiert bzw. beiträgt. Richtig genutzt kann Social Media sogar ein Werkzeug zur Selbststärkung sein.

Und was tun wir jetzt damit?

Hier kommt die gute Nachricht: Neid ist ein zutiefst menschliches und völlig normales Gefühl – und kann ein potenzieller Wegweiser sein. Wer genau hinschaut, merkt oft, dass Neid uns zeigt, was uns selbst wichtig ist. Er kann ein emotionaler Hinweis darauf sein, wo wir unzufrieden sind, uns vergleichen oder wo wir wachsen möchten.

Tipps im Umgang mit Neid

  1. Neid anerkennen, nicht wegdrücken. Gefühle wollen gesehen werden – auch die unangenehmen.
  2. Ursache analysieren: Was genau beneide ich? Den Erfolg? Die Anerkennung? Die Freiheit?
  3. Ziele ableiten: Wie kann ich aktiv werden, statt zu vergleichen?
  4. Digital Detox: Weniger Social Media = weniger Vergleich = weniger Neid.
  5. Mitgefühl kultivieren – für andere und für dich selbst.

Fazit: Neid ist kein Zeichen moralischen Versagens, sondern ein Zeichen innerer Bewegung. Wer ihn klug reflektiert, kann ihn sogar als Werkzeug nutzen. Denn dort, wo Neid auftritt, steckt oft ein unerfülltes Bedürfnis – nach Anerkennung, Freiheit, Zugehörigkeit oder Selbstwirksamkeit. Wenn wir diesen Kern erkennen, verwandelt sich Neid vom lähmenden Gefühl zum Motor für Veränderung.
Oder, um es mit Timothée Chalamet zu sagen: „You are the master of your fate, the captain of your soul.“
Vielleicht ist das der schönste Gedanke zum Schluss: Wir sind Gefühlen nicht hilflos ausgeliefert – weder den Erfolgen anderer noch unserem eigenen Neid –, sondern können die Richtung und die Impulse, die wir daraus ableiten selbst bestimmen.

Literatur

  • Appel, M., Schreiner, C., Weber, S., Mara, M., & Gnambs, T. (2018). Intensity of Facebook use is associated with lower self-concept clarity: Cross-sectional and longitudinal evidence. Journal of Media Psychology: Theories, Methods, and Applications, 30(3), 160–172.
  • Lin, R., Utz, S., & Bröer, C. (2021). Being green in a sea of green: Envy and social comparison on social network sites. New Media & Society, 23(9), 2584–2603. https://doi.org/10.1177/1461444820933250
  • Takahashi, H., Kato, M., Matsuura, M., Mobbs, D., Suhara, T., & Okubo, Y. (2009). When your gain is my pain and your pain is my gain: Neural correlates of envy and schadenfreude. Science, 323(5916), 937–939. https://doi.org/10.1126/science.1165604
  • Van de Ven, N., Zeelenberg, M., & Pieters, R. (2009). Leveling up and down: The experiences of benign and malicious envy. Emotion, 9(3), 419–429. https://doi.org/10.1037/a0015669

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Social Snacking: Freundschaften zwischen Sprachnachrichten und echten Umarmungen

11. November 2025 By Constanze Leave a Comment

Ich schicke gerne Sprachnachrichten. Und ich weiss, dass viele Menschen vor allem lange Sprachnachrichten hassen. Ich höre auch gerne Sprachnachrichten ab – besonders, wenn sie von Freundinnen kommen, die ich aufgrund der vielen Kilometer und der Tatsache, dass bei uns inzwischen das ein oder andere Kleinkind mitspielt, nur selten sehe. Für mich sind sie wie kleine Mini-Podcasts aus ihrem Leben: Ich höre ihre Stimme, ihre Stimmung, ihre Emotionen – und fühle mich für einen Moment, als wäre ich dabei.

Wie viele Menschen in ihren Mid-30ern sehe ich leider – nach diversen Umzügen – viele meiner liebsten Freund:innen nicht mehr regelmässig im Alltag. Aber wir sind trotzdem in Kontakt – auf mehreren Chats, mehreren Apps, in mehreren Paralleluniversen. Da ist das kurze Reel, das wir uns mit einem „haha, schau mal“ via Instagram schicken. Und dann die lange Sprachnachricht mit echten Updates auf WhatsApp. Zwischen all dem entsteht etwas, das sich gleichzeitig nach Nähe und nach Distanz anfühlt.

Was Social Snacking eigentlich ist

Psycholog:innen haben für dieses Phänomen längst einen Begriff: Social Snacking. Der stammt aus der Sozialpsychologie und wurde von Wendi Gardner, Cynthia Pickett und Marilynn Brewer (2000) geprägt. Gemeint sind damit kleine, symbolische Handlungen, mit denen wir unseren sozialen „Hunger“ kurzfristig stillen – so wie man zu einem Snack greift, wenn keine Zeit für ein richtiges Essen bleibt.

Das kann ein altes Gruppenfoto sein, das wir uns ansehen, um uns an gemeinsame Zeiten zu erinnern. Oder eine kurze Reaktion auf eine Instagram-Story: „Wie schön!“, „Glückwunsch!“, „Ich seh dich!“ – kleine Gesten, die signalisieren: Ich bin noch da. Ich sehe dich noch.

Und manchmal kommt die Erinnerung gar nicht von uns selbst, sondern vom Algorithmus: Das iPhone schlägt uns alte Rückblicke vor, Facebook erinnert an einen Sommer vor fünf Jahren – und plötzlich lächeln wir beim Anblick dieser längst vergessenen Fotos. Wenn wir solche Erinnerungen teilen oder weiterschicken, sind das ebenfalls kleine soziale Snacks: Mini-Gesten, die Nähe schaffen und uns für einen Moment wieder an gemeinsame Zeiten anbinden.

Tatsächlich zeigen Studien, dass solche Mini-Interaktionen messbar wirken. So fanden Gardner, Pickett und Brewer (2000) sowie Gardner, Pickett und Knowles (2005) heraus, dass sich das Gefühl sozialer Verbundenheit erhöht, wenn man Fotos nahestehender Menschen betrachtet oder an sie erinnert wird. Unser Gehirn reagiert also schon auf Symbole von Nähe – fast so, als wäre sie real.

Wenn Freundschaft zwischen Terminen stattfindet

In unseren Dreißigern ist Social Snacking fast zur Überlebensstrategie geworden. Freundschaften müssen sich irgendwo zwischen Arbeit, Kind, Pendelzeit und Müdigkeit einpassen. Die Spontanität der Zwanziger ist ersetzt durch Doodle-Umfragen und Kalenderfreigaben. Und während man früher auf der WG-Couch stundenlang über das Leben reden konnte, reicht heute manchmal ein kurzer Kommentar unter einem Urlaubsfoto, um die Verbindung am Leben zu halten – bis in KW 46 endlich wieder Zeit für einen (digitalen) Kaffee ist.

Und so sehr das auch nach digitalem Fast Food klingt: Die „sozialen Nährwerte“ von Social Snacking sind gut. Forschende wie Derrick, Gabriel & Hugenberg (2009) konnten zeigen, dass solche symbolischen Kontakte tatsächlich emotionale Stabilität fördern. Schon das Erinnern an enge soziale Beziehungen oder das Ansehen gemeinsamer Fotos kann unser Bedürfnis nach Zugehörigkeit kurzfristig befriedigen. Auch Social Media kann – wenn es authentisch genutzt wird – das Gefühl von Nähe stärken (Yang, 2016).

Aber: Social Snacking macht nicht satt

So hilfreich diese kleinen Gesten sind – sie sind kein Ersatz für echte Begegnungen. Ein Like kann kein gemeinsames Lachen, kein Gespräch mit Blickkontakt, kein spontanes Dasein füreinander ersetzen. Wenn wir das Leben unserer Freund:innen nur digital mitverfolgen, fühlen wir uns zwar informiert, aber nicht unbedingt verbunden. Die Sozialpsychologin Sherry Turkle (2015) nennt das treffend „alone together“ – wir sind ständig verbunden und gleichzeitig einsam.

Was heisst das für unsere Freundschaften. Wir brauchen auch „echte“ gemeinsame Zeit miteinander. Zeit für Austausch mit Augenkontakt, für eine echte Umarmung, gemeinsame Erlebnisse und Gespräche, die nicht in ein enges Zeitkorsett gepackt werden müssen.

Warum Social Snacking trotzdem wichtig ist

Trotzdem: In Lebensphasen, in denen Nähe schwer zu organisieren ist, ist Social Snacking eine wichtige Brücke. Es hält Freundschaften in Bewegung, bis wieder mehr Raum für echte Begegnung entsteht. Es ist – psychologisch gesehen – ein Zeichen von sozialer Anpassungsfähigkeit, nicht von Freundschaft zweiter Klasse.

Die Kunst liegt darin, diese Mini-Kontakte bewusst zu nutzen und sich gleichzeitig bewusst zu sein, dass es auch wieder gemeinsame Zeit miteinander geben wird. Oder, um im Bild zu bleiben: Snacks sind super – solange man weiss, dass irgendwann wieder ein richtiges Abendessen kommt.

Literatur

  • Derrick, J. L., Gabriel, S., & Hugenberg, K. (2009). Social surrogacy: How favored television programs provide the experience of belonging. Journal of Experimental Social Psychology, 45(2), 352–362.
  • Gardner, W. L., Pickett, C. L., & Brewer, M. B. (2000). Social exclusion and selective memory: How the need to belong influences memory for social events. Personality and Social Psychology Bulletin, 26(4), 486–496.
  • Gardner, W. L., Pickett, C. L., & Knowles, M. (2005). Social snacking and shielding: Using social symbols, surrogates, and substitutes in the service of belonging needs. In K. D. Williams, J. P. Forgas, & W. von Hippel (Eds.), The social outcast: Ostracism, social exclusion, rejection, and bullying (pp. 227–241). New York: Psychology Press.
  • Turkle, S. (2015). Reclaiming conversation: The power of talk in a digital age. Penguin Press.
  • Yang, C. C. (2016). Instagram use, loneliness, and social comparison orientation: Interact and connect, or compare and despair? Computers in Human Behavior, 63, 80–86.

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Der Ikea-Effekt: Warum wir unser eigenes Werk lieben

14. Oktober 2025 By Constanze Leave a Comment

Wenn man vor die Wahl gestellt wird, ob man lieber ein schnelles Tassenküchlein aus der Mikrowelle oder Omas selbstgemachten Apfelkuchen möchte, ist die Entscheidung leicht. Schließlich schmeckt Selbstgemachtes doch besser – und wir schätzen es auch viel mehr, oder?

Dabei sind Backmischungen eigentlich eine praktische Sache. Als in den 1950er Jahren Kuchenmischungen auf den amerikanischen Markt kamen, sahen das viele Hausfrauen allerdings ganz anders. Sie hatten das Gefühl, durch die „Alles-aus-einer-Packung“-Lösung überflüssig gemacht zu werden. Die cleveren Hersteller reagierten: Fortan musste man nicht nur Wasser hinzufügen, sondern auch Eier, Butter und Milch. Zusätzlich wurde betont, dass der Kuchen erst durch eine aufwendige Verzierung „wirklich perfekt“ sei.

Das Ergebnis? Die Backmischungen verkauften sich plötzlich viel besser. Denn ein Stück Eigenleistung machte den Kuchen wertvoller – ganz egal, ob er dadurch objektiv besser schmeckte.

Und genau dieses psychologische Muster zeigt sich heute noch – ob beim Kochen, Basteln oder Möbel aufbauen. Psycholog:innen nennen es den Ikea-Effekt.

Der (doppelte) Ikea-Effekt

Neulich habe ich ein perfektes Beispiel dafür erlebt: Ein Kollege erzählte mir, dass er seinen alten PAX-Türen gerade einen neuen Look verpasst: Heisst zuerst grundieren und danach mindestens eine Schicht Farbe auftragen. Die Farbe ist toll, aber in Summe wären wohl neue Türen finanziell auf das Gleiche hinausgelaufen und hätten Zeit und Mühe gespart. Klar, das Upcycling ist nachhaltiger aber eben auch zeit- und kostenintensiv.

Das ist der Ikea-Effekt in Reinform – und hier sogar gleich doppelt:

  1. Der Schrank inkl. Türen wurden selbst aufgebaut.
  2. Das Upcyling der Türen mit der hübschen aber teuren Farbe.

Das Ergebnis: Die Türen werden zum echten Herzensobjekt auf die man auch ein wenig stolz sein kann – selbst wenn er für dasselbe Geld längst neue kaufen könnte.

Warum tritt der Ikea-Effekt auf?

  1. Selbstwirksamkeit und Stolz
    Wir erleben uns als kompetent, wenn wir etwas schaffen. Das steigert unser Selbstwertgefühl (Franke, Schreier, & Kaiser, 2010).
  2. Kognitive Dissonanzreduktion
    Hoher Aufwand muss sich „lohnen“. Deshalb werten wir das Ergebnis automatisch auf (Festinger, 1957).
  3. Emotionale Bindung
    Eigenleistung macht Produkte zu „unseren“ Produkten und erzählen eine Geschichte (Dohle, Rall, & Siegrist, 2014).

Der psychologische Zwilling: Sunk Cost Fallacy

Spannend ist, dass in solchen Situationen oft noch ein zweiter psychologischer Mechanismus wirkt – die sogenannte sunk cost fallacy (Arkes & Blumer, 1985). Sie beschreibt den Fehlschluss, vergangene Investitionen (Zeit, Geld, Mühe) als Rechtfertigung für zukünftiges Handeln zu nutzen – auch wenn es objektiv sinnvoller wäre, einen Schnitt zu machen.

Im PAX-Beispiel bedeutet das: Selbst wenn neue Türen günstiger und einfacher wären, ist der Gedanke kaum auszuhalten: „Jetzt habe ich schon so viel Geld und Arbeit reingesteckt – da mache ich auf keinen Fall einen Rückzieher.“

Der Unterschied zwischen den beiden Effekten im beschriebenen Beispiel ist klein:

  • Der Ikea-Effekt erklärt, warum wir etwas höher wertschätzen, wenn wir daran gearbeitet haben.
  • Die sunk cost fallacy erklärt, warum wir an einer Entscheidung festhalten, weil wir schon investiert haben.

Im Alltag greifen beide Phänomene oft ineinander – und machen uns blind gegenüber Alternativen.

Der Ikea-Effekt motiviert, man kann seine Kreativität ausleben und Selbstgebautes kann auch dem Selbstwertgefühlt gut tun. Gleichzeitig kann er, in Kombination mit der sunk cost fallacy, dazu führen, dass wir viel zu lange an Projekten festhalten, in die wir schon „zu viel“ investiert haben – ob Möbel, Hobbys oder berufliche Initiativen.

Fazit

Ob Omas Apfelkuchen oder PAX-Türen: Der Wert, den wir Dingen beimessen, entsteht nicht durch den tatsächlichen Preis, sondern durch das Stück von uns selbst, das darin steckt. Der Ikea-Effekt hilft zu verstehen, warum wir vor allem an dem hängen, was wir mitgestaltet haben – und die sunk cost fallacy erklärt, warum Loslassen manchmal so schwer fällt auch wenn es der klügere Schritt ist.

Literatur

  • Arkes, H. R., & Blumer, C. (1985). The psychology of sunk cost. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 35(1), 124–140. https://doi.org/10.1016/0749-5978(85)90049-4
  • Dohle, S., Rall, S., & Siegrist, M. (2014). I cooked it myself: Preparing food increases liking and consumption. Food Quality and Preference, 33, 14–16. https://doi.org/10.1016/j.foodqual.2013.11.001
  • Festinger, L. (1957). A theory of cognitive dissonance. Stanford University Press.
  • Franke, N., Schreier, M., & Kaiser, U. (2010). The “I designed it myself” effect in mass customization. Management Science, 56(1), 125–140. https://doi.org/10.1287/mnsc.1090.1077
  • Norton, M. I., Mochon, D., & Ariely, D. (2012). The IKEA effect: When labor leads to love. Journal of Consumer Psychology, 22(3), 453–460. https://doi.org/10.1016/j.jcps.2011.08.002

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Die Qual der Wahl

4. September 2025 By Constanze 1 Comment

Warum uns eine große Auswahl lähmt, anstatt Freiheit zu schenken

Ein Beitrag von Allegra Lenz & Beatrice Deinhart

Fünf oder fünfzig Pullover zur Auswahl beim Online-Shopping – was wäre Dir lieber? Intuitiv bevorzugen viele Konsumenten ein großes Angebot. Paradoxerweise sind wir aber meist zufriedener, wenn wir weniger Auswahl haben. Aber warum ist weniger manchmal mehr und wie werden wir trotz vieler Optionen glücklich mit unserer Wahl?

Kennst du das? Du stehst im Supermarkt vor einem Regal mit gefühlt 100 Kaffeesorten. Arabica, Robusta, Fairtrade, entkoffeiniert, ganze Bohne, Pads … und plötzlich fühlt sich die Entscheidung an wie eine kleine Lebenskrise.

Eigentlich klingt es wie ein Luxus unserer Zeit: Freiheit durch Vielfalt. Aber psychologisch betrachtet erleben wir oft das Gegenteil – Überforderung, Aufschieben, Unzufriedenheit. Genau das beschreibt das sogenannte Auswahlparadox: Je mehr Optionen, desto schwerer fällt uns die Wahl – und desto größer ist die Gefahr, dass wir sie später bereuen (Iyengar & Lepper, 2000).

Was ist das Auswahlparadox?

Dieser Begriff beschreibt eine paradoxe Situation: Je mehr Auswahlmöglichkeiten wir haben, desto schwerer fällt uns die Entscheidung. Eine große Auswahl bedeutet also nicht mehr Zufriedenheit – stattdessen kann sie unsere Fähigkeit zur Entscheidungsfindung überfordern und sogar dazu führen, dass wir mit der getroffenen Wahl unglücklicher sind (Iyengar & Lepper, 2000). Auch nach der Entscheidung für ein Produkt bleibt das Gefühl, eine bessere Wahl übersehen zu haben; die Entscheidung wird im Nachhinein eher bereut. Das Auswahlparadox kann sogar dazu führen, dass wir uns möglicherweise für nichts aus dem angebotenen Sortiment entscheiden und die Entscheidung aufschieben (Chernev et al., 2015).

Wann zu viel Auswahl zu einer Falle wird

Das Auswahlparadox begegnet uns nicht nur im Supermarkt, auch beim Online-Shopping kann es ganz schön zuschlagen. Ob und wie stark es auftritt, hängt von verschiedenen Faktoren ab (Chernev et al., 2015).

Stehst du zum Beispiel unter Zeitdruck, weil ein großer Sale in wenigen Minuten endet, fühlt sich die Entscheidung viel schwerer an. Die Angst, etwas zu verpassen, macht die Auswahl noch komplizierter – dadurch tritt das Paradox eher auf.

Ein weiterer Faktor ist, wie gut man die verschiedenen Optionen vergleichen kann. Wenn sich die Pullover kaum unterscheiden – weder im Preis noch im Muster oder Material – und kein Modell ein klares Alleinstellungsmerkmal wie ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis aufweist, wird es schwieriger, die richtige Wahl zu treffen. Das heißt, je komplexer die Auswahl, desto eher kommt es zum Auswahlparadox.

Anders sieht es aus, wenn Du bereits vor der Entscheidungssituation genau weisst, was Dir wichtig ist. Wenn Du schon eine klare Vorstellung davon hast, dass Dir der Schnitt des Pullovers besonders wichtig ist, kannst Du Vorteile der verschiedenen Modelle, beispielsweise ein besonders hochwertiges Material, besser erkennen und eine schnellere Entscheidung treffen. Bei einer so klaren Präferenz kommt es seltener zum Auswahlparadox. Und schließlich: Wer einfach nur entspannt durch die Seiten scrollt, ohne wirklich eine Entscheidung treffen zu wollen, ist weniger anfällig für das Auswahlparadox. Ohne festen Kaufwunsch fällt die Entscheidung leichter – hier geht es eher ums Stöbern als um eine konkrete Kaufabsicht, also besteht auch kein großer Entscheidungsdruck.

Zu viele Optionen, zu wenig Entscheidung – nicht nur beim Einkaufen

Das Phänomen betrifft nicht nur den alltäglichen Einkauf im Supermarkt oder in einem Online-Shop. Es kann in nahezu jedem Lebensbereich auftreten, in dem wir uns für eine aus zahlreichen Optionen entscheiden wollen. Das kann beispielsweise auch bei dem Aussuchen eines Geschenks, der Wahl des Urlaubsortes oder des Partners bzw. der Partnerin der Fall sein (Dar & Gul, 2024). Singles, die ihre*n Partner*in beim Online-Dating aus 24 Personen auswählten, waren eine Woche später viel unzufriedener mit ihrer Entscheidung und änderten diese eher als Singles, die nur zwischen sechs Personen wählen mussten (D’Angelo & Toma, 2017).

Wie kann ich das Auswahlparadox überwinden?

Es gibt eine gute Nachricht: Auch bei einer großen Auswahl lässt sich das Auswahlparadox umgehen und leicht eine Entscheidung treffen. Es hilft beispielsweise, ausreichend Zeit für die Entscheidungssituation einzuplanen. Auch sollte man sich bereits vor der Konfrontation mit den unterschiedlichen Optionen möglichst detailliert darüber klar werden, wonach man sucht. Welche Merkmale sind Dir beispielsweise bei der Wahl des nächsten Urlaubsorts besonders wichtig – ziehst Du ein schickes Wellnesshotel einer urigen Berghütte vor und falls ja, wie viel Aufpreis wäre Dir das wert? Wer entsprechende Merkmale identifiziert hat, die ihm bei der Entscheidung besonders wichtig sind, kann sich beispielsweise beim Onlineshopping entsprechende Filterfunktionen nach diesem Merkmal zu Nutzen machen. Auch bieten Online-Vergleichsportale inzwischen nützliche Instrumente, um mehrere Entscheidungsoptionen gegeneinander abzuwägen (Stegemann, 2024).

Wer das nächste Mal ratlos vor dem Supermarktregal steht und sich überfordert von unzähligen verschiedenen Kaffeesorten fühlt, dem sei zuletzt noch der Tipp gegeben, mehr auf sein Bauchgefühl zu vertrauen. Eine spontane Entscheidung kann möglicherweise mit viel größerer Zufriedenheit verbunden sein als eine zu durchdachte und komplexe Entscheidung. Auch muss es nicht immer die „beste“ Option sein, für die man sich letztendlich entscheidet – in vielen Fällen reicht auch ein „gut genug“. In diesem Sinne happy Shopping!

Literatur

  • Chernev, A., Böckenholt, U., & Goodman, J. (2015). Choice overload: A conceptual review and meta-analysis. Journal of Consumer Psychology, 25(2), 333–358. https://doi.org/10.1016/j.jcps.2014.08.002
  • D’Angelo, J. D., & Toma, C. L. (2017). There are plenty of fish in the sea: The effects of choice overload and reversibility on online daters’ satisfaction with selected partners. Media Psychology, 20(1), 1–27. https://doi.org/10.1080/15213269.2015.1121827
  • Dar, A. R., & Gul, M. (2024). The “less is better” paradox and consumer behaviour: A systematic review of choice overload and its marketing implications. Qualitative Market Research, 28(1), 122-145. https://doi.org/10.1108/QMR-01-2024-0006
  • Iyengar, S. S., & Lepper, M. R. (2000). When choice is demotivating: Can one desire too much of a good thing? Journal of Personality and Social Psychology, 79(6), 995–1006. https://doi.org/10.1037/0022-3514.79.6.995
  • Stegemann, M. (2024). Konsumverhalten verstehen, beeinflussen und messen: Die Psychologie hinter effektivem Marketing. Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-658-43600-1_12

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Warum Helfen wie Schokolade ist – macht glücklich, aber nur in Maßen!

21. August 2025 By Constanze Leave a Comment

Ein Beitrag von Larissa Renz und Lea Sophie Fuchs

Wann hast du das letzte Mal jemandem geholfen? Wie hast du dich danach gefühlt? Hattest du vielleicht ein kleines Lächeln im Gesicht oder hast dich einfach gut gefühlt?
Im Folgenden erfährst du, dass Helfen nicht nur die unterstützte Person, sondern auch den Helfenden glücklich macht. Dabei gibt es aber auch noch eine andere Seite der Medaille.

Helfen kann man auf unterschiedlichste Art und Weise, sei es einem Freund beim Umzug zu helfen, jemandem den Weg zu erklären oder die Einkaufstasche einer alten Dame zu tragen. Zum Helfen gehören aber auch Aktivitäten, die mehr Zeit in Anspruch nehmen, wie beispielsweise die Durchführung eines Ehrenamts. Laut Statista führten im Jahr 2024 etwa 16,42 Millionen Menschen in Deutschland ein Ehrenamt aus.

Warum helfen wir eigentlich?

Warum helfen über 16 Millionen Menschen, obwohl sie kaum Aufwandsentschädigung dafür bekommen? Ist es Langeweile? Oder macht es sich schick im Lebenslauf?

In einer repräsentativen Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Jahr 2013 gaben 73% der Befragten an, dass bei ihnen die Freude zu Helfen im Vordergrund steht. Auf Platz 2 und 3 folgten der Wunsch anderen zu helfen (54%) und die Bedeutung der jeweiligen Gruppe für einen selbst (49%). Letzteres bedeutet, dass die Gruppe, um die man sich kümmert, einem besonders am Herzen liegt.

Macht Helfen glücklich? Das sagt die Wissenschaft

Für 73% der Ehrenamtlichen ist Freude die Hauptmotivation zu Helfen. Aber macht Helfen wirklich glücklich und vielleicht sogar gesünder?

Eine Studie (Schwartz & Sendor, 1999) begleitete chronisch kranke Menschen, die andere Erkrankte über zwei Jahre unterstützten. Dabei verbesserte sich bei den Helfern Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Außerdem sind sie offener und toleranter gegenüber anderen Menschen geworden.

Eine Zusammenfassung mehrerer Studien (Von Bonsdorff & Rantanen, 2011) zeigte, dass sozial engagierte Personen über 60, besser in der Lage sind, ihre Gesundheit und Lebenszufriedenheit korrekt einzuschätzen. Eine weitere Studie (Brown et al., 2003) fand heraus, dass das Helfen sogar Einfluss auf die eigene Sterblichkeit haben kann. In dieser Studie wurden in den 1980ern ältere, verheiratete Paare aus Detroit über fünf Jahre begleitet. Die Sterblichkeitsrate war bei Personen geringer, die ihren Ehepartner oder andere Menschen in ihrem Umkreis unterstützten. Dabei wurden andere Faktoren kontrolliert, die die Sterblichkeit beeinflussen können. Dazu gehörten Alter, Geschlecht, körperliche und mentale Gesundheit, Persönlichkeitsmerkmale sowie der sozioökonomische Status. Dadurch konnte ausgeschlossen werden, dass der Effekt von Helfen auf die Sterblichkeit durch einen dieser Faktoren erklärt werden kann. Von 846 Befragten, starben im Laufe der Studie 134 Personen. Das Risiko, im Zeitraum der Studie zu sterben, war bei Personen, die Freunde, Verwandte oder Nachbarn durch praktische Hilfe unterstützten, um das 0.61 fache geringer, als bei Personen, die selbst Unterstützung erhielten. Bei Personen, die ihren Ehepartner emotional unterstützten, war das Sterberisiko um das 0.70 fache verringert im Vergleich zu Personen, die selbst Unterstützung bekamen. Wie die Studie zeigt, kann Helfen Einfluss auf die eigene Sterblichkeit haben, egal auf welche Art man hilft. Ob jemand Unterstützung erhält oder nicht, beeinflusste die Sterblichkeit dagegen überraschenderweise nicht.

Wow, Helfen macht uns also glücklich und lässt uns sogar länger leben? Dann nehmen wir uns ab jetzt vor, so viel und so oft es geht zu helfen. Statt unser Dopamin mit Schokolade aufzuputschen, helfen wir also jetzt. Naja, nicht ganz, denn genau wie der übermäßige Verzehr von Schokolade zu unerwünschten Nebenwirkungen führt, hat auch Helfen seine Grenzen.

Gibt es ein Zuviel an Helfen?

Hast du dich schonmal erschöpft gefühlt, nachdem du schon wieder einer Freundin unter die Arme gegriffen hast? Hättest du lieber einen ruhigen Abend für dich gehabt, konntest aber nicht „Nein“ sagen?

So geht es vielen hilfsbereiten Menschen mal. Wenn du aber regelmäßig deine eigenen Grenzen überschreitest und immer versuchst anderen zu helfen, kann das negative Konsequenzen für dich haben. Eine Studie (Maringgele et al., 2023) hat Pflegepersonal, das mit Covid 19 Patienten arbeitet, und Personen aus „nicht helfenden Berufen“ per Online Fragebogen zu Persönlichkeitseigenschaften und Wohlbefinden befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass es in beiden Berufsgruppen ähnlich viele Personen gab, die zu viel helfen und begannen ihre eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen. Diese Personen fühlten sich schlechter, wodurch bei ihnen depressive Symptome auftreten können. Laut dem Autor Garms-Homolová (2022) tendieren solche Personen dazu sonstige Verpflichtungen, andere soziale Beziehungen und ihre physische und psychische Gesundheit zugunsten der Unterstützung anderer zu vernachlässigen.

Folglich steht eines fest: Du musst nicht Mutter Teresa 2.0 werden, um glücklich zu sein. Vielleicht denkst du dir das nächste Mal, wenn du dir beim Kauf deiner Lieblingsschokolade einen Dopaminschub erhoffst, dass es dich genauso glücklich machen kann, deiner Nachbarin die Einkaufstasche hochzutragen. Aber Vorsicht, behalte dabei immer auch deine eigenen Grenzen im Auge. Nicht dass du am Schluss zwar anderen eine Freude machst, dabei aber deine eigene Gesundheit gefährdest.

Fazit: Helfen ist wie Schokolade, es macht glücklich, aber nur wenn wir es nicht übertreiben.

Literatur

Brown, S. L., Nesse, R. M., Vinokur, A. D., & Smith, D. M. (2003). Providing social support may be more beneficial than receiving it: Results from a prospective study of mortality. Psychological Science, 14(4), 320–327. https://doi.org/10.1111/1467-9280.14461

Garms-Homolová, V. (2022). Sozialpsychologie der Zuneigung, Aufopferung und Gewalt: Über Liebe, prosoziales Verhalten, Aggression und Hass. Springer Berlin Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-662-64355-6

Institut für Demoskopie Allensbach. (2013). Motive des bürgerschaftlichen Engagements—Ergebnisse einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung (IfD-Umfrage 11012). Institut für Demoskopie Allensbach. https://www.ifd-allensbach.de/fileadmin/studien/Engagement_Motive_Bericht.pdf

Maringgele, V. E., Scherr, M., Aichhorn, W., & Kaiser, A. K. (2023). Helper syndrome and pathological altruism in nurses – a study in times of the COVID-19 pandemic. Frontiers in Psychology, 14, 1150150. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2023.1150150

Schwartz, C. E., & Sendor, R. M. (1999). Helping others helps oneself: Response shift effects in peer support. Social Science & Medicine, 48(11), 1563–1575. https://doi.org/10.1016/S0277-9536(99)00049-0

Statista. (2024, Dezember 19). Verbreitung ehrenamtlicher Arbeit in Deutschland 2024. Statista. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/173632/umfrage/verbreitung-ehrenamtlicher-arbeit/

Von Bonsdorff, M. B., & Rantanen, T. (2011). Benefits of formal voluntary work among older people. A review. Aging Clinical and Experimental Research, 23(3), 162–169. https://doi.org/10.1007/BF03337746

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Schön, schöner, privilegiert: Pretty (un)fair, oder?

14. August 2025 By Constanze Leave a Comment

Ein Artikel von Bianca Lorenz und Jelena Mrgic

Jeremy Meeks und Luigi Mangione, zwei Verbrecher, die eines gemeinsam haben: ihre schöne Erscheinung. Ihre Attraktivität hat ihnen – und das trotz ihrer Taten – nicht nur immense Aufmerksamkeit, sondern auch eine Fanbase eingebracht. Dieser Effekt, bekannt als „Pretty Privilege“, zeigt wie Schönheit selbst in den dunkelsten Ecken der Gesellschaft das Urteil trüben kann. Welche Rolle spielt also Schönheit in unserer Wahrnehmung? Überstrahlt sie vielleicht sogar unsere moralischen Bewertungen?

Von Mugshot zu Model – Die Faszination schöner Verbrecher

Jeremy Meeks und Luigi Mangione sind lebende Beweise dafür, wie Schönheit selbst bei Verbrechen zu Bewunderung und Profit führen kann. Jeremy Meeks, verurteilt wegen Waffendelikten und schweren Diebstahls, wurde über Nacht berühmt – nicht wegen seiner Taten, sondern wegen eines einzigen Fotos. Sein Polizeifoto, auch Mugshot genannt, ging viral und machte ihn zum gefragten Model, das später für bekannte Marken über den Laufsteg lief. Auch Luigi Mangione, der beschuldigt wird, den CEO einer der größten privaten Krankenversicherungen der USA ermordet zu haben, gewann nach der Veröffentlichung seiner Bilder eine treue Fanbase. Trotz der Schwere der Tat wird er nicht nur für sein attraktives Äußeres bewundert, sondern von manchen sogar als moderner Robin Hood gefeiert. Beide Fälle verdeutlichen, wie äußere Attraktivität das Bild einer Person verzerren und Sympathien wecken kann – selbst in einem moralisch fragwürdigen Kontext. Dieses Phänomen wird als Pretty Privilege bezeichnet und zeigt, wie sehr Schönheit unsere Wahrnehmung beeinflussen kann.

Pretty Privilege – Was steckt dahinter?

Stell dir vor, du stehst in einem überfüllten Café, doch plötzlich wirst du vorgelassen und deine Bestellung wird sofort entgegengenommen. Warum? Weil du ins Auge fällst. Mit deinem Lächeln. Mit deinem Stil. Schönheit eröffnet kleine Privilegien: schnellere Bedienung, freundlichere Worte. Das ist Pretty Privilege in Aktion. Ein ungeschriebenes Gesetz, das besagt, dass attraktive Menschen oft bevorzugt werden. Aber warum ist das so? Wir scheinen oft schönen Menschen automatisch weitere positive Eigenschaften zuzuschreiben, auch wenn wir sie gar nicht kennen. Jemand, der schön ist, muss doch auch intelligent, hilfsbereit oder humorvoll sein, oder? Dieses Phänomen wird als Halo-Effekt bezeichnet: Eine herausragende Eigenschaft, wie Schönheit, „überstrahlt“ andere Merkmale und beeinflusst unsere Wahrnehmung stärker, als uns bewusst ist (Maestripieri et al., 2016)

Schönheit vor Gericht – Milde für die Attraktiven?

Dass Schönheit Vorteile bringt, macht auch vor der Justiz nicht Halt. Schließlich weckt ein attraktives Erscheinungsbild selbst bei schwerwiegenden Verbrechen oft Sympathie oder Mitgefühl. Studien zeigen, dass attraktive Angeklagte tendenziell mildere Urteile erhalten oder sogar freigesprochen werden können (Patry, 2008). Ein beunruhigender Gedanke, der unsere Wahrnehmung von Gerechtigkeit in Frage stellt.

Schönheit zahlt sich aus – von der Wiege bis in den Beruf

Doch auch fernab der Kriminalität werden attraktive Menschen bewundert und bevorzugt. Studien gehen davon aus, dass Schönheit ein Zeichen für gute Gene ist und wir uns deswegen davon angezogen fühlen. Dieses Phänomen tritt übrigens schon bei Babys und Kindern auf. Mitunter ein Grund, weshalb schönere Kinder mehr Aufmerksamkeit von ihren Eltern bekommen (Maestripieri et al., 2016). Auch gibt es Hinweise darauf, dass attraktivere Kinder womöglich besser benotet und als intelligenter eingeschätzt werden (Kenealy et al., 2001). Und als wäre das nicht schon genug, verdienen schönere Menschen auch noch mehr Geld. Denn Schönheit wird später nicht nur mit Leistungsfähigkeit gleichgesetzt, sondern öffnet auch Türen für attraktivere Jobs (Hamermesh, 2011; Nault et al., 2020).

Schönheit mit Nebenwirkungen – also doch pretty (un)fair?

Schön sein und dadurch automatisch im Vorteil – ein Traum oder doch eine Realität, die soziale Ungleichheit aufzeigt? Tatsächlich haben attraktive Menschen in vielen Bereichen bessere Chancen: Sie werden positiver bewertet, bekommen eher einen Job und verdienen mehr als ihre weniger attraktiven Mitarbeiter*innen (Hamermesh, 2011). Klingt unfair? Ist es auch. Denn letztlich bedeutet das, dass Menschen aufgrund ihres Aussehens benachteiligt oder bevorzugt werden – eine Form von Diskriminierung. Doch es gibt auch eine Kehrseite: Das zeigt sich besonders bei Frauen, wenn bestimmte geschlechterspezifische Stereotype ins Spiel kommen. Attraktive Frauen werden häufig mit typischen „femininen“ Eigenschaften assoziiert. In Berufen, die als „männlich“ gelten, kann das zum Nachteil werden: Ihre Leistung wird oft kritischer bewertet, während weniger attraktive Frauen in solchen Bereichen sogar im Vorteil sein können (Rosar & Klein, 2009). Schönheit öffnet also Türen, aber nicht immer die richtigen. Ist Pretty Privilege also wirklich ein Privileg?

Pretty Privilege hinterfragen: Weil nicht alles Gold ist, was glänzt

Aber: Es gibt Möglichkeiten, das „Pretty Privilege“ zumindest etwas abzuschwächen. Wir können uns immer wieder selbst bewusst machen, dass diese Bevorzugung existiert und aktiv dagegen ankämpfen (Burns et al., 2017). Ist der Angeklagte wirklich so unschuldig, wie er sagt? Oder sieht er einfach nur gut aus, sodass man es ihm nicht zutrauen würde? Hat die Bewerberin wirklich bessere Fähigkeiten oder trügt der Schein? Es liegt in unserer Natur, schnell einen ersten Eindruck zu gewinnen und vorschnelle Entscheidungen zu treffen. Es hilft aber durchaus, auch mal die eigenen Annahmen zu hinterfragen und zu erkennen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. 

Literatur

  • Burns, M. D., Monteith, M. J., & Parker, L. R. (2017). Training away bias: The differential effects of counterstereotype training and self-regulation on stereotype activation and application. Journal of Experimental Social Psychology, 73, 97-110. https://doi.org/10.1016/j.jesp.2017.06.003
  • Hamermesh, D. S. (2011). Beauty pays: Why attractive people are more successful. Princeton University Press. https://doi.org/10.1515/9781400839445
  • Kenealy, P., Frude, N. & Shaw, W. (2001). Influence of children’s physical attractiveness on teacher expectations. Journal of Social Psychology (128(3), 373–383. DOI: 10.1080/00224545.1988.9713754
  • Maestripieri, D., Henry, A. & Nickels, N. (2016). Explaining financial and prosocial biases in favor of attractive people: Interdisciplinary perspectives from economics, social psychology, and evolutionary psychology. Behavioral And Brain Sciences, 40, e19. https://doi.org/10.1017/s0140525x16000340
  • Nault, K. A., Pitesa, M. & Thau, S. (2020). The Attractiveness Advantage At Work: A Cross-Disciplinary Integrative Review. Academy of Management Annals, 14(2), 1103–1139. https://doi.org/10.5465/annals.2018.0134
  • Patry, M. W. (2008). Attractive but guilty: deliberation and the physical attractiveness bias. Psychological Reports, 102(3), 727–733. https://doi.org/10.2466/PR0.102.3.727-733
  • Rhodes, G., Simmons, L. W. & Peters, M. (2005). Attractiveness and sexual behavior: Does attractiveness enhance mating success? Evolution and Human Behavior, 26(2), 186–201. https://doi.org/10.1016/j.evolhumbehav.2004.08.014
  • Rosar, U. & Klein, M. (2009). Mein(schöner)Prof.de. KZfSS Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 61(4), 621–645. https://doi.org/10.1007/s11577-009-0086-1

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Online aber doch Standby: „Zuschauer“ in sozialen Medien

24. Juli 2025 By Constanze Leave a Comment

Ein Beitrag von Teresa Pfahler und Martin Schmitt

Wer sich im Internet bewegt, muss nicht lange suchen, um ihm zu begegnen: Hass im Netz ist leider ein weit verbreitetes Problem. In Deutschland wurden einer aktuellen Studie zufolge bereits knapp die Hälfte der Internetnutzer:innen in sozialen Medien beleidigt (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2024). Der weitgehende Verzicht auf Kommentarfilter, wie zuletzt von Facebook und Instagram Chef Mark Zuckerberg angekündigt, könnte dieses Problem noch weiter verschärfen. Doch schon jetzt greift kaum jemand bei Hasskommentaren ein. Warum ist das so? Und was können wir als Nutzer:innen dagegen tun? Die Psychologie bietet für dieses passive Verhalten von Zuschauer:innen einen möglichen Erklärungsansatz: den Zuschauereffekt.

Was ist der Zuschauereffekt eigentlich?
Zeug:innen von Notsituationen werden in der Psychologie als „Zuschauer“ bzw. im Englischen als „Bystander“ bezeichnet. Der Zuschauereffekt besagt: Je mehr Bystander anwesend sind, desto seltener wird in solchen Situationen geholfen (Levine et al., 2023). Die Beschreibung des Zuschauereffekts klingt erstmal ziemlich fies, und die meisten von uns würden wahrscheinlich gegen die Theorie protestieren, weil sie sich selbst als hilfsbereite Person einschätzen. Deswegen direkt eine Entwarnung: die Theorie besagt nicht, dass Menschen aus bösem Willen nicht helfen. Vielmehr ist der Weg zur bewussten Entscheidung „ich möchte helfen“ ein komplexer Prozess, der – wie alles Menschliche – anfällig für Fehler ist. So kann es zum Beispiel sein, dass Menschen das Ereignis gar nicht erst bemerken, es nicht als Notfall erkennen oder Angst haben „falsch zu helfen“ und sich dadurch vor anderen blamieren (Levine et al., 2023). Verschiedene Forscher:innen haben den Zuschauereffekt in den letzten Jahren immer wieder in Studien beobachten können (z.B. Fischer et al., 2011).

Und wie ist das im Internet?
Aber kann man denn im Internet überhaupt von einem Zuschauereffekt sprechen? Wirken im Internet nicht auch andere, „neue“ psychologische Effekte? Dem ist leider nicht so. Auch im Internet haben Forscher:innen die Auswirkungen des Zuschauereffekts gefunden. Eine Studie zeigte, dass Nutzer:innen seltener eingriffen, wenn sie davon ausgingen, dass bereits sehr viele andere Personen einen Hasskommentar (in der konkreten Studie über Flüchtlinge) gelesen hatten (Leonhard et al., 2018). Ähnlich verhielt es sich bei Cybermobbing: Auch in diesem Fall fühlten sich Nutzer:innen weniger verantwortlich einzugreifen, wenn viele Bystander das fingierte Mobbing mitbekamen (Obermaier et al., 2014). Aber natürlich sind Notsituationen und Möglichkeiten zu helfen online und offline nicht 1:1 vergleichbar, z. B. aufgrund der Anonymität des Internets oder der fehlenden Möglichkeit, direkt auf „Täter“ und „Opfer“ einzuwirken. Diese Besonderheiten der Online-Kommunikation können dafür sorgen, dass Zuschauer:innen häufiger, aber auch seltener eingreifen (Obermaier et al., 2015). Einerseits ist man aufgrund der Anonymität im Netz vielleicht eher bereit zu helfen. Schließlich muss man weniger fürchten, dafür verurteilt zu werden. Andererseits denkt man sich vielleicht auch, dass man selbst weniger verantwortlich für solche Situationen ist. Es sind ja noch genug andere online. Ob man eingreift oder nicht, hängt aber auch von anderen Faktoren ab, zum Beispiel davon, wie schlimm wir den Kommentar empfinden (Obermaier et al., 2023). In dieser Studie empfanden die Teilnehmer:innen schwulenfeindliche Hasskommentare beispielsweise als weniger schlimm als Hasskommentare gegenüber Frauen und griffen eher bei letzteren ein.

Aber wie kann man nun den Zuschauereffekt im Netz überwinden?
Gerade im Internet ist es wichtig, dass Dritte eingreifen. Denn auch wenn die Mehrheit der Nutzer:innen sich nicht an Hassrede und Mobbing beteiligen: Im Internet gilt Schweigen als Zustimmung (Obermair et al., 2023) Dazu kommt, dass solche Kommentare viel mehr Menschen erreichen und oft dauerhaft stehen bleiben. Und online wie offline gilt: wer sich verantwortlich fühlt, greift eher ein (Leonhard et al., 2018). Das Verantwortungsgefühl kann dadurch steigen, dass man Kommentare als respektlos empfindet (Obermaier et al., 2023). Wir können uns fragen: „Wenn ich einen
solchen Hasskommentar erhalten würde, was würde in mir vorgehen?“ Es hilft uns zu verstehen, welche negativen Folgen der Hasskommentar haben kann, wenn wir uns in die Rolle des „Opfers“ hineinversetzen. Generell kann es hilfreich sein, Internetnutzer:innen stärker für den Zuschauereffekt zu sensibilisieren und ihre Medienkompetenz zu fördern: Wie können wir Hassrede erkennen? Wie können wir eingreifen, um der angegriffenen Person/Gruppe wirklich zu helfen? Wie schaffen wir es auf den Kommentarschreiber einzuwirken, ohne ihn zu provozieren? (Leonhard et al., 2018). Um diese und weitere Fragen beantworten zu können, bieten Plattformen wie https://hateaid.org/ hilfreiche Tipps und Unterstützung. Dadurch können wir sicher sein, dass wir wirklich „online“ sind und keine Bystander.

Literatur

  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. (2024, 13. Februar). Hass im Netz gefährdet Demokratie. https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/hass-im-netz-gefaehrdet-demokratie-236282
  • Fischer, P., Krueger, J. I., Greitemeyer, T., Vogrincic, C., Kastenmüller, A., Frey, D., Heene, M., Wicher, M., & Kainbacher, M. (2011). The bystander-effect: A meta-analytic review on bystander intervention in dangerous and non-dangerous emergencies. Psychological Bulletin, 137(4), 517–537. https://doi.org/10.1037/a0023304
  • Leonhard, L.,
  • Rueß, C., Obermaier, M. & Reinemann, C. (2018). Perceiving threat and feeling responsible. How severity of hate speech, number of bystanders, and prior reactions of others affect bystanders’ intention to counterargue against hate speech on Facebook. Studies in Communication and Media, 7(4), 555–579. https://doi.org/10.5771/2192-4007-2018-4-555
  • Levine, M., Manning, R., & Philpot, R. (2023). Prosoziales Verhalten. In Springer eBooks (S. 351–392). https://doi.org/10.1007/978-3-662-65297-8_10
  • Obermaier, M., Fawzi, N., & Koch, T. (2015). Bystanderintervention bei Cybermobbing. Studies in Communication and Media, 4(1), 28–52. https://doi.org/10.5771/2192-4007-2015-1-28
  • Obermaier, M., Schmid, U. K. & Rieger, D. (2023). Too civil to care? How online hate speech against different social groups affects bystander intervention. European Journal of Criminology, 20(3), 817–833. https://doi.org/10.1177/14773708231156328

Filed Under: Allgemein Tagged With: Bystander Effekt, Wissenschaft, Zuschauer Effekt

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