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Erstaunliche Effekte

Der Barnum-Effekt: Warum Horoskope Quatsch sind

5. Januar 2026 By Constanze Leave a Comment

Ich bin Psychologin und glaube nicht an Horoskope. Meine Mama und ich haben das gleiche Sternzeichen und als liebevolle Serviceleistung checkt sie jedes Jahr im Januar sämtliche Jahreshoroskope diverser Zeitschriften. Mir gibt sie dann ausschließlich die guten zum Lesen. Das mache ich gern. Nicht, weil ich plötzlich an die Sterne glaube, sondern weil ich um die Kraft von Self-fulfilling Prophecies weiß.

Ich glaube trotzdem nicht an Horoskope. Vor allem, weil ich den Barnum-Effekt kenne.

Warum sich Horoskope so erschreckend passend anfühlen

Der Barnum-Effekt beschreibt unsere Tendenz, vage und allgemein formulierte Aussagen als hochgradig persönlich zutreffend zu erleben.

Je positiver, widersprüchlicher und wohlwollender eine Aussage ist, desto besser funktioniert sie. Aber was sich stimmig anfühlt, muss nicht wahr sein.

Eine sehr bekannte Studie sei an dieser Stelle erwähnt, die Horoskope ziemlich entzaubert. 1948 liess der US-amerikanische Psychologe Bertram R. Forer seine Studierenden einen Persönlichkeitstest absolvieren. Anschliessend händigte er jedem das Testergebnis aus, angeblich eine individuelle Charakterbeschreibung aus. Die Studierenden sollten auf einer Skala von 0 (poor «mangelhaft») bis 5 (perfect «perfekt») angeben inwieweit sie die Aussagen als für sich zutreffend empfanden. Der Durschnitt über alle Studierende lag bei 4.26 – eine starke Zustimmung.

Tatsächlich hatte Forer die Persönlichkeitstest weder ausgewertet noch personalisierte Profile erstellt. Alle Studierende erhielten exakt dasselbe Profil vorgelegt, bestehend aus typischen Barnum Aussagen.

In späteren Variationen solcher Studien, konnte gezeigt werden, dass die hohe Zustimmung selbst dann bestehen bleibt, wenn die Texte ursprünglich die Beschreibung völlig anderer Personen sind, unter anderem auch Profile, die auf den astrologischen Daten krimineller Personen angefertigt wurden (Dickson & Kelly, 1985; Gauquelin, 1980).

Typische Barnum-Aussagen

Barnum Aussagen mangelt es typischerweise an Objektivität und Falsifizierbarkeit. Sie betonen Aspekte, die vielen Menschen gemeinsam sind oder Eigenschaften, die wir gerne über uns selbst glauben.

Hier ein paar klassische Beispiele:

  • „Du hast hohe Ansprüche an dich selbst, bist aber manchmal unsicher, ob du ihnen gerecht wirst.“
  • „Du wirkst nach außen selbstbewusst, zweifelst innerlich jedoch öfter, als andere vermuten.“
  • „Du brauchst Anerkennung, legst aber großen Wert darauf, unabhängig zu bleiben.“
  • „Du bist sensibel für Stimmungen, auch wenn du das nicht immer zeigst.“
  • „Manchmal ziehst du dich zurück, obwohl du eigentlich Nähe brauchst.“
  • „Du hast ungenutztes Potenzial, das du unter den richtigen Umständen entfalten könntest.“
  • „Du kannst sehr diszipliniert sein, erlaubst dir aber auch Phasen der Nachlässigkeit.“
  • „Du bist loyal gegenüber Menschen, die dir wichtig sind – Enttäuschungen treffen dich dafür besonders.“
  • „Du denkst viel über dich selbst nach und stellst dir existenzielle Fragen, auch wenn dein Alltag oft sehr pragmatisch wirkt.“

Die meisten Menschen können bei mindestens 70% der Aussagen innerlich nicken. Barnum Aussagen werden nicht nur für Horoskope genutzt sondern finden auch beim Wahrsagen, Cold Reading, Coaching-Angeboten und im Human Design Anwendung.

Es gibt wissenschaftlich belegte saisonale Effekte.
Wissenschaftlich betrachtet spielt der Geburtszeitpunkt tatsächlich eine Rolle – allerdings nicht astrologisch, sondern entwicklungspsychologisch und sozial.

Besonders gut untersucht ist der sogenannte Relative-Age-Effekt. Je nach Geburtszeitpunkt sind Kinder innerhalb einer Schulklasse relativ gesehen älter oder jünger als der Klassendurchschnitt. Diese scheinbar kleinen Altersunterschiede haben messbare Konsequenzen: Relativ ältere Kinder zeigen im Durchschnitt bessere schulische Leistungen, erhalten positivere Lehrerurteile, entwickeln ein stärkeres akademisches Selbstkonzept und schlagen häufiger anspruchsvollere Bildungswege ein (Cobley et al., 2009; Bedard & Dhuey, 2006).

Der Effekt ist nicht auf die Schule beschränkt. Auch im Sport zeigt sich, dass relativ ältere Kinder häufiger ausgewählt, intensiver gefördert und langfristig erfolgreicher im Leistungssystem verbleiben (Musch & Grondin, 2001). Nicht, weil sie talentierter geboren wären, sondern weil sich kleine Alterstunterschiede und damit einhergehende körperliche Entwicklung über Jahre hinweg zu systematischen Vorteilen entwickeln können.

Darüber hinaus gibt es Hinweise auf kleine saisonale Effekte, etwa durch Lichtverhältnisse während der Schwangerschaft, die hormonelle Prozesse beeinflussen können (Boland et al., 2015). Auch Infektions- und Stressbelastungen in bestimmten Jahreszeiten sind mit statistisch minimalen Entwicklungsunterschieden assoziiert (Davies et al., 2003).

Wichtig dabei ist: Diese Effekte sind klein, wirken auf Gruppenebene und sind wahrscheinlichkeitsbasiert. Sie erlauben keine Aussagen über individuelle Persönlichkeit, Charakter oder Lebensverlauf.

Was nun? Horoskop lesen, ja oder nein

Ich persönlich lese die von meiner Mama kuratierten Horoskope und freue mich, ein paar freundliche Gedanken mit ins Jahr zu nehmen.

Wenn es jedoch um Persönlichkeit, Entwicklung und Verhalten geht, sind empirische Forschung, Selbstreflexion und Rückmeldungen aus dem eigenen Umfeld die deutlich besseren Berater:innen.

Literatur

  • Bedard, K., & Dhuey, E. (2006). The persistence of early childhood maturity: International evidence of long-run age effects. The Quarterly Journal of Economics, 121(4), 1437–1472.
  • Boland, M. R., Shahn, Z., Madigan, D., Hripcsak, G., & Tatonetti, N. P. (2015). Birth month affects lifetime disease risk: A phenome-wide method. Journal of the American Medical Informatics Association, 22(5), 1042–1053.
  • Cobley, S., Baker, J., Wattie, N., & McKenna, J. (2009). Annual age-grouping and athlete development: A meta-analytical review of relative age effects in sport. Sports Medicine, 39(3), 235–256.
  • Davies, G., Welham, J., Chant, D., Torrey, E. F., & McGrath, J. (2003). A systematic review and meta-analysis of Northern Hemisphere season of birth studies in schizophrenia. Schizophrenia Bulletin, 29(3), 587–593.
  • Dickson, D. H., & Kelly, I. W. (1985). The “Barnum effect” in personality assessment: A review of the literature. Psychological Reports, 57(2), 367–372.
  • Forer, B. R. (1949). The fallacy of personal validation: A classroom demonstration of gullibility. Journal of Abnormal and Social Psychology, 44(1), 118–123.
  • Furnham, A., & Schofield, S. (1987). Accepting personality traits as true: The Barnum effect and astrology. Personality and Individual Differences, 8(2), 211–215.
  • Merton, R. K. (1948). The self-fulfilling prophecy. The Antioch Review, 8(2), 193–210.
  • Michel Gauquelin: Dreams and Illusions of Astrology. Glover & Blair, London 1980, ISBN 978-0-906681-04-6.
  • Musch, J., & Grondin, S. (2001). Unequal competition as an impediment to personal development: A review of the relative age effect. Developmental Review, 21(2), 147–167.
  • Nickerson, R. S. (1998). Confirmation bias: A ubiquitous phenomenon in many guises. Review of General Psychology, 2(2), 175–220.

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Black Friday – Warum Rabatte uns plötzlich Dinge kaufen lassen, die wir gestern nicht einmal kannten

27. November 2025 By Constanze Leave a Comment

Es ist Black Week und, hast du schon was geshopped? Waren das Dinge, die du schon lange auf der Wunschliste hattest oder hast du tolle Schnäppchen entdeckt? Und hast du dich dabei vielleicht auch ein bisschen gestresst gefühlt und Produkte im Internet angesehen von denen du nicht sicher sagen könntest, ob du sie wirklich benutzen würdest. Black Friday ist genau so ein Tag – ein psychologischer Ausnahmezustand, der still und heimlich jedes Jahr einen kleinen kollektiven Kontrollverlust auslöst.

Plötzlich erscheinen einem Produkte sinnvoll, die man gestern noch nicht einmal auf dem Radar hatte. Und dann dieses Gefühl: das leise, aber insistente Flüstern in uns, das sagt: „Wäre doch beinahe unvernünftig, das jetzt nicht zu kaufen.“ Doch warum ist das so? Was macht dieser Tag mit uns?

Der Zauber der Rabatte: Wenn Prozente unser Denken verändern

Ein Rabatt ist nicht nur ein günstigerer Preis. Er ist ein Stimulus. Ein psychologischer Reiz, der in unserem Gehirn Dinge auslöst, die erstaunlich wenig mit rationalen Kaufentscheidungen zu tun haben. Neurowissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass das Belohnungszentrum aktiviert wird, sobald wir ein „Sale“-Schild sehen – noch bevor wir wissen, was überhaupt reduziert wurde (Knutson et al., 2007). Es ist ein bisschen so, als würde unser Gehirn auf Autopilot schalten: rote Prozentzeichen an → Dopamin an → Vernunft aus.

Dazu kommt ein weiterer Trick, den der Wirtschaftsnobelpreisträger Richard Thaler (1999) „mental accounting“ nennt: Wir haben gedankliche Konten wie „Sparen“ und „Investieren“, und Rabatte wandern fast automatisch ins „Spar-Konto“. Und wenn wir „sparen“, dann fühlt sich das gut an – auch wenn wir gerade Geld für etwas ausgeben, das wir ohne Rabatt nie angefasst hätten.

Der Zeitdruck: Ein Countdown gegen die Vernunft

Black Friday funktioniert nicht ohne Zeitdruck. „Nur heute!“, „Nur noch wenige Stunden!“ , der Timer der auf der Website, der unerbittlich runterzählt– diese Botschaften erzeugen das Gefühl, sofort handeln zu müssen. Und das ist psychologisch hoch wirksam.

Forschung zeigt, dass unter Zeitdruck unsere Fähigkeit, Entscheidungen abzuwägen, stark eingeschränkt ist. Statt gründlich nachzudenken, reagieren wir impulsiv (Suri et al., 2013). Das Gehirn liebt schnelle Lösungen. Und was ist schneller als ein Klick auf „Jetzt kaufen“?

Das überoptimistische „Future Self“

Ein weiterer Grund, warum wir an Rabatt-Tagen plötzlich zu ambitionierten Versionen unserer selbst mutieren: unser chronisch überschätztes zukünftiges Ich.

Dieses „Future Self“ ist diszipliniert, sportlich, organisiert, kocht regelmäßig und nutzt selbstverständlich jedes Gerät, das wir kaufen. Gestern waren wir vielleicht zu müde, die Wäsche zusammenzulegen – aber heute glauben wir, dass wir ab Montag täglich meal-preppen und auf der neuen Yogamatte meditieren werden.

Das ist der Optimism Bias (Sharot, 2011): Ein tief menschlicher Irrtum, der sagt: „Morgen werde ich ein neuer Mensch sein.“ Spoiler: werden wir selten.

Die versteckte Sehnsucht nach Kontrolle

Vielleicht ist Black Friday aber noch etwas anderes: eine kleine, stille Rebellion gegen den Alltag.

Ein Tag, der uns das Gefühl gibt, uns selbst etwas Gutes tun zu dürfen. Ein Klick als Mini-Belohnung. Ein Schnäppchen als kurzer Moment von „Ich darf mir etwas gönnen“.

In einer Welt, in der viele von uns ständig zwischen Arbeit, Care-Arbeit, Schlafmangel und Terminen jonglieren, fühlen sich kleine Impulskäufe manchmal wie eine Art Selbstfürsorge an – auch wenn sie das objektiv betrachtet nicht sind. Aber psychologisch ergibt das Sinn: Wir greifen nach Dingen, die Kontrolle, Komfort oder Verbesserung versprechen.

Wie man sich selbst ein bisschen schützt

1. Der Originalpreis-Test 
Stelle dir vor, der Rabatt existiert nicht. Würdest du das Produkt zum vollen Preis kaufen? Wenn die Antwort ein klares Nein ist, war die Motivation kein Bedürfnis, sondern ein Dopamin-Kick.

2. Die 24- bis 48-Stunden-Regel 
Dinge nicht sofort kaufen, sondern auf eine Liste setzen. Studien zeigen: Allein dieses Verschieben reduziert Impulskäufe deutlich (Kurdi et al., 2020).

3. Erlaubnis zur Gelassenheit 
Black Friday ist kein einmaliges kosmisches Ereignis. Rabatte kommen wieder. Januar-Sale, Mid-Season-Sale, Spring Deals – es wird nicht die einzigartige verpasst Chance sein, wenn wir heute nichts kaufen.

Fazit

Black Friday ist kein moralischer Test, sondern ein psychologisches Spielfeld. Wir sind nicht schwach, weil Rabatte uns beeinflussen. Das ist menschlich. Der Trick liegt darin, zu wissen, dass unser Gehirn an diesem Tag gerne Abkürzungen nimmt – und uns selbst genug Raum zu geben, um aus diesen Abkürzungen keine langfristigen Fehlkäufe werden zu lassen. Manchmal ist der beste Deal nicht der, den wir kaufen, sondern der, den wir nicht kaufen.

Literatur

  • Knutson, B., Rick, S., Wimmer, E., Prelec, D., & Loewenstein, G. (2007). Neural predictors of purchases. Neuron, 53(1), 147–156.
  • Kurdi, B., et al. (2020). The psychological benefits of list-making. Journal of Consumer Psychology, 30(3), 1–14.
  • Sharot, T. (2011). The optimism bias. Current Biology, 21(23), R941–R945.
  • Suri, R., et al. (2013). Price promotions and decision-making under time pressure. Journal of the Academy of Marketing Science, 41(1), 1–13.
  • Thaler, R. H. (1999). Mental accounting matters. Journal of Behavioral Decision Making, 12(3), 183–206.

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Der Ikea-Effekt: Warum wir unser eigenes Werk lieben

14. Oktober 2025 By Constanze Leave a Comment

Wenn man vor die Wahl gestellt wird, ob man lieber ein schnelles Tassenküchlein aus der Mikrowelle oder Omas selbstgemachten Apfelkuchen möchte, ist die Entscheidung leicht. Schließlich schmeckt Selbstgemachtes doch besser – und wir schätzen es auch viel mehr, oder?

Dabei sind Backmischungen eigentlich eine praktische Sache. Als in den 1950er Jahren Kuchenmischungen auf den amerikanischen Markt kamen, sahen das viele Hausfrauen allerdings ganz anders. Sie hatten das Gefühl, durch die „Alles-aus-einer-Packung“-Lösung überflüssig gemacht zu werden. Die cleveren Hersteller reagierten: Fortan musste man nicht nur Wasser hinzufügen, sondern auch Eier, Butter und Milch. Zusätzlich wurde betont, dass der Kuchen erst durch eine aufwendige Verzierung „wirklich perfekt“ sei.

Das Ergebnis? Die Backmischungen verkauften sich plötzlich viel besser. Denn ein Stück Eigenleistung machte den Kuchen wertvoller – ganz egal, ob er dadurch objektiv besser schmeckte.

Und genau dieses psychologische Muster zeigt sich heute noch – ob beim Kochen, Basteln oder Möbel aufbauen. Psycholog:innen nennen es den Ikea-Effekt.

Der (doppelte) Ikea-Effekt

Neulich habe ich ein perfektes Beispiel dafür erlebt: Ein Kollege erzählte mir, dass er seinen alten PAX-Türen gerade einen neuen Look verpasst: Heisst zuerst grundieren und danach mindestens eine Schicht Farbe auftragen. Die Farbe ist toll, aber in Summe wären wohl neue Türen finanziell auf das Gleiche hinausgelaufen und hätten Zeit und Mühe gespart. Klar, das Upcycling ist nachhaltiger aber eben auch zeit- und kostenintensiv.

Das ist der Ikea-Effekt in Reinform – und hier sogar gleich doppelt:

  1. Der Schrank inkl. Türen wurden selbst aufgebaut.
  2. Das Upcyling der Türen mit der hübschen aber teuren Farbe.

Das Ergebnis: Die Türen werden zum echten Herzensobjekt auf die man auch ein wenig stolz sein kann – selbst wenn er für dasselbe Geld längst neue kaufen könnte.

Warum tritt der Ikea-Effekt auf?

  1. Selbstwirksamkeit und Stolz
    Wir erleben uns als kompetent, wenn wir etwas schaffen. Das steigert unser Selbstwertgefühl (Franke, Schreier, & Kaiser, 2010).
  2. Kognitive Dissonanzreduktion
    Hoher Aufwand muss sich „lohnen“. Deshalb werten wir das Ergebnis automatisch auf (Festinger, 1957).
  3. Emotionale Bindung
    Eigenleistung macht Produkte zu „unseren“ Produkten und erzählen eine Geschichte (Dohle, Rall, & Siegrist, 2014).

Der psychologische Zwilling: Sunk Cost Fallacy

Spannend ist, dass in solchen Situationen oft noch ein zweiter psychologischer Mechanismus wirkt – die sogenannte sunk cost fallacy (Arkes & Blumer, 1985). Sie beschreibt den Fehlschluss, vergangene Investitionen (Zeit, Geld, Mühe) als Rechtfertigung für zukünftiges Handeln zu nutzen – auch wenn es objektiv sinnvoller wäre, einen Schnitt zu machen.

Im PAX-Beispiel bedeutet das: Selbst wenn neue Türen günstiger und einfacher wären, ist der Gedanke kaum auszuhalten: „Jetzt habe ich schon so viel Geld und Arbeit reingesteckt – da mache ich auf keinen Fall einen Rückzieher.“

Der Unterschied zwischen den beiden Effekten im beschriebenen Beispiel ist klein:

  • Der Ikea-Effekt erklärt, warum wir etwas höher wertschätzen, wenn wir daran gearbeitet haben.
  • Die sunk cost fallacy erklärt, warum wir an einer Entscheidung festhalten, weil wir schon investiert haben.

Im Alltag greifen beide Phänomene oft ineinander – und machen uns blind gegenüber Alternativen.

Der Ikea-Effekt motiviert, man kann seine Kreativität ausleben und Selbstgebautes kann auch dem Selbstwertgefühlt gut tun. Gleichzeitig kann er, in Kombination mit der sunk cost fallacy, dazu führen, dass wir viel zu lange an Projekten festhalten, in die wir schon „zu viel“ investiert haben – ob Möbel, Hobbys oder berufliche Initiativen.

Fazit

Ob Omas Apfelkuchen oder PAX-Türen: Der Wert, den wir Dingen beimessen, entsteht nicht durch den tatsächlichen Preis, sondern durch das Stück von uns selbst, das darin steckt. Der Ikea-Effekt hilft zu verstehen, warum wir vor allem an dem hängen, was wir mitgestaltet haben – und die sunk cost fallacy erklärt, warum Loslassen manchmal so schwer fällt auch wenn es der klügere Schritt ist.

Literatur

  • Arkes, H. R., & Blumer, C. (1985). The psychology of sunk cost. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 35(1), 124–140. https://doi.org/10.1016/0749-5978(85)90049-4
  • Dohle, S., Rall, S., & Siegrist, M. (2014). I cooked it myself: Preparing food increases liking and consumption. Food Quality and Preference, 33, 14–16. https://doi.org/10.1016/j.foodqual.2013.11.001
  • Festinger, L. (1957). A theory of cognitive dissonance. Stanford University Press.
  • Franke, N., Schreier, M., & Kaiser, U. (2010). The “I designed it myself” effect in mass customization. Management Science, 56(1), 125–140. https://doi.org/10.1287/mnsc.1090.1077
  • Norton, M. I., Mochon, D., & Ariely, D. (2012). The IKEA effect: When labor leads to love. Journal of Consumer Psychology, 22(3), 453–460. https://doi.org/10.1016/j.jcps.2011.08.002

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Urlaub machen, aber richtig – Psychologie des Urlaubs

25. August 2024 By Constanze Leave a Comment

Sommerferien – der Geruch von Sonnencreme, überall Sand und auf der Zunge noch der Geschmack von Eis. Für viele ist der Urlaub die schönste Zeit des Jahres. Über Wochen fiebert man darauf hin, und dann ist er auch viel zu schnell wieder vorbei – und die Erholung oft innerhalb kürzester Zeit auch dahin.

Die einen wollen am liebsten nur am Strand liegen, andere erklimmen lieber Berge oder entdecken neue Orte und Kulturen. Interessant ist nun natürlich, welche Faktoren es aus psychologischer Sicht gibt, um die Erholung im Urlaub zu optimieren.

Die Länge des Urlaubs ist wenig entscheidend für die Erholung

Intuitiv könnte man meinen, dass eine lange Auszeit bessere Erholungswerte mit sich bringt als kürzere. Tatsächlich ist das nicht so. Eine spannende Studie (de Bloom et al., 2010) zeigt, dass der Erholungseffekt eines Urlaubs in Bezug auf dessen Länge relativ ähnlich sein kann, solange der Urlaub eine Mindestdauer erreicht. Die Wissenschaftler

sprechen dabei von einer Länge von 4 bis 10 Tagen. Diese sollte man sich für einen optimalen Erholungseffekt gönnen; was darüber hinausgeht, hat keine signifikanten Effekte auf die Stressreduktion.

Nach ein bis zwei Wochen ist die Erholung oft bereits verflogen

Häufig fühlt sich nach einer Woche im Alltag der Urlaub schon wieder ganz weit weg an. Dieses Gefühl wird auch durch psychologische Studien bestätigt. Eine Metaanalyse (de Bloom et al., 2009) konnte zeigen, dass die positiven Effekte eines Urlaubs, wie reduzierte Stresslevel und gesteigerte Lebenszufriedenheit, in der Regel unmittelbar nach dem Urlaub am stärksten sind. Diese Effekte beginnen jedoch oft innerhalb weniger Tage bis Wochen abzunehmen. Eine Untersuchung von Kühnel und Sonnentag (2011) konnte feststellen, dass die Erholungseffekte im Schnitt nach zwei bis vier Wochen deutlich abnehmen und das Wohlbefinden sowie die Energielevels bereits eine Woche nach dem Urlaub signifikant zurückgingen. Nach etwa drei Wochen waren viele der Erholungseffekte verschwunden.

Das Urlaubsmindset: Es muss nicht immer Urlaub sein

Manchmal ist es bis zum nächsten Urlaub noch (gefühlt) ganz schön lange hin. Aber psychologische Hilfe naht. Eine interessante Studie hat gezeigt, dass Menschen ihr Wohlbefinden verbessern können, indem sie das Wochenende wie einen Urlaub behandeln. In dieser Studie (West et al., 2021) wurde untersucht, wie sich ein „Urlaubsmindset“ am Wochenende auf das Glücksgefühl und die Zufriedenheit auswirkt. Die Teilnehmer, die das Wochenende wie einen Urlaub behandelten, berichteten von größerer Freude, weniger negativen Gefühlen und einem stärkeren Fokus auf den gegenwärtigen Moment. Spannend war auch, dass es gar nicht darum ging, was die Probanden letztendlich am Wochenende unternahmen. Allein das Gefühl, „frei zu haben“, trug maßgeblich zur Verbesserung des Wohlbefindens bei.

Kurze Urlaube über das Jahr verteilen

Um mit seinen Kraftreserven über das Jahr zu haushalten, ist es sinnvoll, regelmäßig kürzere Urlaube über das Jahr zu verteilen und auch die Wochenenden wie „freie Zeit“ zu behandeln. Das ist gut für die Erholung, und schon allein die Vorfreude versüßt einem den Alltag. In einer Befragung (Gilbert & Abdullah, 2002) fanden britische Marktforscher der University of Surrey heraus, dass die Planung eines Urlaubs bereits glücklicher machen kann. Befragte, die eine Reise planten, bewerteten auch ihre familiäre und gesundheitliche Situation positiver als diejenigen, die keine Reise planten. In diesem Sinne: Nichts wie ran an die Planung der nächsten Auszeit.

Literatur

de Bloom, J., Geurts, S. A. E., & Kompier, M. A. J. (2009). Vacation (after-) effects on employee health and well-being, and the role of vacation activities, experiences and sleep. Journal of Happiness Studies, 10(4), 423–442. https://doi.org/10.1007/s10902-008-9090-8

de Bloom, J., Geurts, S. A. E., & Kompier, M. A. J. (2010). Vacation (after-) effects on employee health and well-being, and the role of vacation activities, experiences and sleep. Journal of Happiness Studies, 13(4), 833-852. https://doi.org/10.1007/s10902-011-9283-9

Gilbert, D., & Abdullah, J. (2002). A qualitative study of the impact of a cultural event on travel behavior. Tourism Management, 23(6), 665-669. https://doi.org/10.1016/S0261-5177(02)00029-9

Kühnel, J., & Sonnentag, S. (2011). How long do you benefit from vacation? A closer look at the fade-out of vacation effects. Journal of Organizational Behavior, 32(1), 125–143. https://doi.org/10.1002/job.699

West, C., Mogilner, C., & DeVoe, S. E. (2021). Treating the weekend like a vacation boosts happiness. Social Psychological and Personality Science, 12(3), 346-356. https://doi.org/10.1177/1948550620924232

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Heute geh ich früh ins Bett – oder doch nicht? Bedtime Procrastination

20. März 2023 By Constanze Leave a Comment

Schlafen ist was Wunderbares. Morgen ausgeschlafen ohne Wecker aufzuwachen ist grossartig und doch kommt es im Alltag höchst selten vor. Wir nehmen uns vor früh ins Bett zu gehen und schaffen es doch irgendwie durch Rumgruschen, Serie gucken oder Handy-Daddeln unsere Zubettgehe-Zeit hinauszuzögern. Warum tun wir das, wo wir doch genau wissen, wie sehr uns der Schlaf am nächsten Tag fehlen wird.

Psycholog:innen nennen dieses Phänomen Bedtime Procrastination, also das Aufschieben der Bettruhe. Der Begriff tauchte zum ersten Mal 2014 in einer Studie der niederländischen Psychologin Floor Kroese und ihren Kolleg:innen auf. Sie beschreiben damit die Beobachtung, dass viele Menschen später zu Bett gehen, als sie eigentlich wollen, ohne triftige externe Gründe dafür zu haben.

Die Rechnung dafür kriegt man direkt am nächsten Morgen. Nach zu wenigen Stunden Schlaf reisst einen der Wecker aus den Träumen und läutet hart den nächsten Tag ein. Im Zombie-Modus geht es aus dem Bett und man verflucht sich selbst warum man gestern nicht einfach rechtzeitig schlafen gegangen ist.

Wieso zögern wir das zu Bett gehen hinaus?

Die Zeit am Abend gehört uns. Während wir tagsüber viel «mussten», ist die Zeit am Abend für viele eine Art heilige Zeit. Die möchte man natürlich voll auskosten. Absurderweise tun wir in der Zeit, wo wir eigentlich bereits schlafen sollten, aber nicht Dinge, die uns guttun und aktiv zur Erholung beitragen. Anstatt uns an der frischen Luft zu bewegen, etwas Neues zu lernen oder eine Yoga-Einheit zu absolvieren, landen wir häufig vor dem Bildschirm. Daddeln am Handy oder sich vom Fernseher berieseln lassen, sind wenig anstrengende Tätigkeiten mit kurzfristigem Belohnungspotential und hohem Ablenkungsfaktor. Gerade wenn wir einen anstrengenden Tag hinter uns haben, ist die Selbstkontrolle besonders gering und die Gefahr das Zubettgehen aufzuschieben besonders hoch.

Ein weiterer Grund kann die eigene Abendroutine sein. Wer seine eigene Abendroutine nicht mag, scheint das Zubettgehen eher hinauszuzögern. Die Tasche für morgen packen, die Kleider fürs Büro rauslegen, den Hund nochmal an die frische Luft lassen, Zahnseide verwenden, die Kontaktlisten entfernen, alles Dinge, die nicht sonderlich viel Spass machen. In einer Studie (Bernecker & Job, 2020), in der über 430 Personen zwischen 19 und 79 Jahren befragt wurden, konnte gezeigt werden: Je nerviger die Befragten ihre Abendroutine fanden, desto eher neigten sie dazu sie aufzuschieben.

Wie kann man sich selbst überlisten?

Wer bemerkt, dass er zu Bedtime Procrastination neigt, sollte am besten zuerst sein Verhalten beobachten. Welche Funktion hat das Aufschieben? Ist es der Versuch Freizeit nachzuholen? Falls ja, kann es helfen mehr schöne Erlebnisse in den Alltag einzubauen oder den Tag anders zu strukturieren. Ist das Aufschieben ein Versuch sich von Sorgen oder Grübeln abzulenken, kann man versuchen die Problem oder Themen aktiv anzugehen – am besten tagsüber.  

Studien konnten zeigen (z.B. Bernecker & Job, 2020; Kroese et al., 2016): Je erschöpfter wir sind, desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der innere Schweinehund siegt und wir genau das tun, was wir vermeiden wollen. Daher müssen wir uns proaktiv selbst überlisten und Vorkehrungen treffen. Eine Möglichkeit ist übrigens auch die Abendroutine zu verschlanken. Klar, Elmex Gelee, Zahnseide und diverse Pflegeprodukte sind super aber, wenn wir dadurch das ganze Prozedere hinauszögern, ist eine «schnelle Version» nur mit den absolut notwendigen Schritten an schwierige Abenden besser.

Ausserdem kann es helfen die Prokrastinations-Quellen zu eliminieren, also zum Beispiel Regeln einzuführen wie 1h vor der geplanten Einschlafzeit Aktivitäten vor Bildschirmen zu vermeiden und auch das Handy nicht im Schlafzimmer zu haben.

Und noch ein Tipp für alle, deren Endgegner abends das Handy ist: Bei vielen Modellen kann man einstellen, dass sie ab einer gewissen Uhrzeit alles nur noch in schwarz-weiss anzeigen. Probiert das mal aus, da wird das Scrollen plötzlich sehr unattraktiv.

Literatur

Bernecker, K., & Job, V. (2020). Too exhausted to go to bed: Implicit theories about willpower and stress predict bedtime procrastination. British Journal of Psychology, 111(1), 126-147.

Kroese, F. M., De Ridder, D. T., Evers, C., & Adriaanse, M. A. (2014). Bedtime procrastination: introducing a new area of procrastination. Frontiers in psychology, 5, 611.

Kroese, F. M., Evers, C., Adriaanse, M. A., & de Ridder, D. T. (2016). Bedtime procrastination: A self-regulation perspective on sleep insufficiency in the general population. Journal of health psychology, 21(5), 853-862.

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Der 99-Effekt – die Psychologie der Preisgestaltung

5. April 2022 By Constanze Leave a Comment

Ein T-Shirt für 19,99 EUR, Flüssigseife für 1,99 EUR und der neueste Thriller von Sebastian Fitzek für 22,99 EUR. Eigentlich könnte man doch gleich 20 EUR für das Shirt, 2 EUR für die Seife und 23 EUR für das Buch verlangen, oder? Macht es doch kaum einen finanziellen Unterschied und würde z.B. unnötiges 1 Cent-Rückgeld geben vermeiden. Ok, das Argument zählt mittlerweile – wo beinahe jeder mit Karte bezahlt – kaum noch, aber tatsächlich wirkt diese Preisgestaltung schon ein wenig kompliziert.

Produkte mit 99er-Preis werden mehr gekauft

Wirken die 99er-Preise tatsächlich günstiger und fallen wir als Verbraucher:innen darauf rein? In einer recht bekannten Studie wollten die amerikanischen Forschenden Robert Schindler und Thomas Kibarian (1996) genau diese Frage beantworten. Dafür versendeten sie in Summe 90.000 Warenkataloge. Ein Drittel dieser Kataloge enthielt die typischen 99er Preise, also 4,99, 9,99 oder 19,99, das zweite Drittel der Kataloge bewarb Produkte mit glatten Preisen, also zum Beispiel 5, 10 oder 20 und das letzte Drittel der Prospekte beinhaltete Produkte mit 88er-Preise, also beispielsweise 4,88, 9,88 oder 19,88.

Das bedeutet, dass die Preise des letzten Drittels im Durchschnitt am niedrigsten waren und daher zu erwarten gewesen wäre, dass – wenn der Mensch ökonomisch handeln würde – am meisten Produkte aus diesen Katalogen gekauft wurden. Die Realität sah allerdings anders aus! Am meisten wurden Produkte aus den 99-er Katalogen gekauft und zwar signifikant mehr als aus beiden anderen Katalog-Versionen. In Prozent ausgedrückt kauften die Konsumierenden 8% mehr, wenn die Produkte auf «,99» endeten.

Warum tappen wir in die 99er-Falle?

Die Forschenden wollten nun natürlich verstehen: Was ist der Grund dafür? Fühlt sich 1 Cent weniger tatsächlich nach deutlich günstiger an? Um das zu untersuchen, wurden Proband:innen in einem Experiment (Bizer & Schnindler, 2005) daher entweder gefragt: «Wie viele Produkte zum Preis von 2,99 Dollar kann man mit 73 Dollar kaufen?» oder ihnen wurde die Frage «Wie viele Produkte zum Preis von 3 Dollar kann man mit 73 Dollar kaufen?». Tatsächlich stellte sich heraus, dass die Versuchsteilnehmenden kleinere Fehler bei der Aufaddierung machten und die Anzahl der Produkte mit 99er Preisen, die man für 73 Dollar kaufen kann, leicht überschätzten. Dieser Effekt wird verstärkt, wenn die Motivation, die Preise genau anzusehen, nicht sonderlich hoch ist oder der Konsumierende müde oder erschöpft ist. 

Darüber hinaus gibt es noch einen wichtigen Bedeutungseffekt. Damit wird beschrieben, dass die 99er-Preise eine Botschaft senden. Diese Preise wirken auf Probanden als sei es der niedrigste verfügbare Preis, als wäre er seit einiger Zeit nicht mehr angehoben worden beziehungsweise, dass es sich um ein Sonderangebot handelt (Schindler & Kibarian, 2001). Sonderangebote sind sowieso ein spannendes Thema: Dort ist nämlich tatsächlich die Höhe des Rabattes entscheidender für die Kaufentscheidung als der finale Endpreis (Boz, Arslan & Koc, 2017).

Luxusmarken setzen auf glatte Preise

Luxusmarken machen sich den oben erklärten Bedeutungseffekt übrigens zu Nutze, indem sie genau das Gegenteil tun. Dort findet man selten sogenannte «gebrochene Preise», sondern meistens glatte Preise, da diese Qualität und Luxus ausdrücken sollen. So konnte zum Beispiel experimentell nachgewiesen werden, dass sich eine Flasche Champagner besser verkaufte, wenn sie 40 Dollar anstatt 39,72 oder 40,28 Dollar kostete (Wadhwa & Zhang 2015).

Unglaublich, dass wir Konsument:innen uns wirklich davon beeinflussen lassen, nicht wahr? Die gute Nachricht ist allerdings, genau wie bei anderen Effekten, dass sie – zumindest zum Teil – ihre Wirksamkeit verlieren, wenn wir uns ihrer bewusst sind. In diesem Sinne: Happy Shopping.

Literatur

Bizer, G. Y., & Schindler, R. M. (2005). Direct evidence of ending‐digit drop‐off in price information processing. Psychology & Marketing, 22(10), 771-783.

Boz, H., Arslan, A., & Koc, E. (2017). Neuromarketing aspect of tourısm pricing psychology. Tourism Management Perspectives, 23, 119-128.

Schindler, R. M., & Kibarian, T. M. (1996). Increased consumer sales response though use of 99-ending prices. Journal of Retailing, 72(2), 187-199.

Schindler, R. M., & Kibarian, T. M. (2001). Image communicated by the use of 99 endings in advertised prices. Journal of Advertising, 30(4), 95-99.

Wadhwa, M., & Zhang, K. (2015). This number just feels right: The impact of roundedness of price numbers on product evaluations. Journal of Consumer Research, 41(5), 1172-1185.

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Warum Torhüter auf die Seite springen – der Action Bias

16. Juli 2021 By Constanze Leave a Comment

Italien ist Fussball Europameister und ich kenne mich wirklich nicht mit Fußball aus, das als Disclaimer vorab. Allerdings kann ich mich für psychologische Studien des israelischen Forschers Michael Bar-Eli mit Fußballern begeistern. Bar-Eli und seine Kollegen (2007) werteten Elfmeter-Situationen im Fussball aus und konnten feststellen, dass die Torschützen statistisch gesehen etwas gleich häufig nach links, rechts und in die Mitte schossen. Spannenderweise hechten Torhüter in der Regel nach rechts oder links und bleiben nur sehr selten in der Mitte des Tores stehen. Dabei wäre ihre Chance den Ball zu halten, statistisch gesehen, genauso hoch, wenn sie einfach in der Mitte stehen bleiben würden. Man muss allerdings sagen, aus Sicht des Torwarts kann man es aber nachvollziehen: Sieht ja auch viel besser aus, wenn man mit Elan zur Seite hechtet, anstatt wie ein Schluffi in der Mitte des Tores stehen zu bleiben und im schlimmsten Fall dem Ball dabei zuzusehen, wie er seitlich vorbei ins Tor fliegt. 

Handeln fühlt sich besser an als abwarten

Diesen Impuls, in unsicheren Situationen lieber zu handeln als abzuwarten, nennt man in der Psychologie Action Bias. Erklärt wird diese Handlungstendenz gerne mit evolutionspsychologischem Nutzen. Für unsere Vorfahren war es häufig die klügste Strategie in unbekannten und potenziell gefährlichen Situationen mit Flucht oder Kampf (fight or flight) zu reagieren. Dieses Erbe tragen wir noch heute mit uns rum, selbst wenn es in unserem Alltag oft eher hinderlich ist. 

Der Action Bias im Alltag 

Autofahrer wechseln im Stau mehrmals die Spur, weil Sie sicher sind, dass die andere Spur schneller vorankommt. Häufig wird der Verkehr dadurch noch zähfliesender und die Gefahr für Unfälle steigt. Auch an der Börse wird heftiger Aktionismus selten belohnt. Wer verkauft, wenn die Kurse fallen und kauft wenn sie rasant steigen, hat im Zweifel am Schluss weniger Geld als die Personen, die stoisch die Schwankung ausgesessen haben. 

Was kann man also gegen diesen Handlungsimpuls tun? Wie bei vielen Impulsen -„hach, ich könnte die ganze Tafel Schokolade auf einmal essen“ – gilt auch hier, man muss der Handlungstendenz nicht sofort nachgeben. Lieber einmal kurz innehalten, sich an den Action Bias erinnern und wenn man die Situation besser überblickt, nochmal entscheiden, ob und was zu tun ist. Diese Entscheidung kann dann auch manchmal sein, das Warten abzubrechen, da es an der anderen Kassenschlange im Supermarkt einfach wirklich schneller vorangeht. 

Literatur

Bar-Eli, M., Azar, O.H., Ritov, I., Keidar-Levin, Y., and Schein, G. (2007). “Action bias among elite soccer goalkeepers: The case of penalty kicks.” Journal of Economic Psychology. 28(5), 606-621. DOI: 10.1016/j.joep.2006.12.001

Patt, A., & Zeckhauser, R. (2000). Action bias and environmental decisions. Journal of Risk and Uncertainty, 21, 45-72.

Zeelenberg, M., Van den Bos, K., Van Dijk, E., & Pieters, R. (2002). The inaction effect in the psychology of regret. Journal of Personality and Social Psychology, 82(3), 314-327.

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Schubladen sind für Unterwäsche, nicht für Menschen

18. September 2020 By Constanze Leave a Comment

Stellen Sie sich bitte einen Menschen vor, auf den die Beschreibung „mächtig und kompetent“ passt. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie dabei an einem Mann um die 50 denken. Eigentlich absurd, wo doch die mächtigste Person in Deutschland  seit 15  Jahren eine Frau ist. Aber leider reicht eine Bundeskanzlerin alleine nicht, um gegen ein Stereotyp anzukommen und dass Millionen von Menschen dies verinnerlicht haben.

Mädchen sind (nicht) schlechter in Mathe – außer man erinnert sie daran

Die psychologische Forschung beschäftigt sich schon relativ lange mit der Frage, wie Stereotype das Verhalten derer beeinflussen, die zu einer stereotypisierten Gruppe gehören. Psychologen nennen das Stereotyp Threat. In einem sehr bekannten Experiment lies Claude Steele, Professor für Sozialpsychologie, 1997 an der Stanford University weibliche und männliche Studierende an einem Test für mathematische Fähigkeiten teilnehmen. Der Hälfte der Probanden wurde vor Beginn des Tests gesagt, dass es bei diesem Test in der Regel starke Geschlechtsunterschiede gäbe. Spannenderweise schnitten die Frauen, denen das zuvor gesagt wurde, im anschließenden Test tatsächlich schlechter ab als die männlichen Teilnehmer. Bei den anderen 50 Prozent der Versuchsteilnehmer, die zuvor nichts dergleichen gehört hatten, gab es keinen signifikanten Geschlechtsunterschied im Mathetest.

Stereotype können auch subtil aktiviert werden

Dramatischerweise reicht es, unmittelbar vor Beginn eines Mathematiktest Studierende zu bitten, ihr jeweiliges Geschlecht anzukreuzen, um die Leistung weiblicher Teilnehmer einbrechen zu lassen. Wurde das Geschlecht erst nach Abschluss des Mathe-Tests abgefragt, konnten keine Leistungsunterschiede zwischen den Geschlechtern festgestellt werden (Strickler & Ward, 2004).

Das bedeutet, es reicht vor einem Test oder bei den Bundesjugendspielen vorm Werfen „Ladies first“ oder „Los Mädls, Ihr schafft das!“ zu sagen, und schon kann dies negative Stereotype aktivieren und in Leistungssituationen schaden, selbst wenn es eigentlich nur nett gemeinte Kommentare waren.

Die Angst ein Stereotyp zu bestätigen, frisst kognitive Ressourcen

Was ist der Mechanismus hinter derartigen Effekten? Eine beliebte Erklärung ist, dass die Erinnerung an ein negatives Stereotyp eine Art kognitive Belastung ist (Schmader & Johns, 2003). Das heißt, wenn man einen Afroamerikaner daran erinnert, dass seine ethnische Gruppe in IQ-Tests in der Regel schlechter abschneidet als weiße Testteilnehmer, wird diese Information bewusst oder unbewusst bearbeitet. Das Arbeitsgedächtnis ist damit beschäftigt diese Information wegzuschieben, abzumildern oder zu verarbeiten und das kostet Ressourcen, die dann nicht mehr für die eigentliche Aufgabe zur Verfügung stehen. Für diese Erklärung spricht unter anderem der Befund, dass Stereotype über die eigene Gruppe nur bei schwierigen Aufgaben zu einer Leistungseinbuße führen. Aufgaben bei denen man optimalerweise die gesamte kognitive Kapazität zu Verfügung hat.

Stereotype bilden sich bereits in jungen Jahren

Was kann man nun tun, um diesem Effekt entgegenzuwirken? Stereotype bilden sich vor allem in jungen Jahren. Kinder haben – genau wie Erwachsene – den Wunsch, Teil einer sozialen Gruppe zu sein und orientieren sich daher unbewusst an Gruppen-Erwartungen. Deswegen finden Mädchen im Kindergarten plötzlich rosa ganz toll, weil das die anderen Mädchen auch mögen, die Erzieherin implizit annimmt, das sei die Mädchen-Lieblingsfarbe und es durch Medien wie Kinderbücher mit rosa-gekleideten Prinzessinnen und Einhörnern noch verstärkt wird. Eltern können hier bewusst gegensteuern. Sie können ihre Kinder z.B. darauf aufmerksam machen, wenn sie eine Polizistin, eine Busfahrerin oder eine Ärztin sehen.

Man kann auch selbst erfolgreich gegen die Beeinträchtigung durch negative Stereotype der eigenen Gruppe gegenüber ankämpfen. Forscher konnten zeigen, dass eine 15 minütige Übung, in der man sich auf seine eigenen Stärken besinnt, wie eine Impfung gegen die Bedrohung durch Stereotype wirkt (Cohen, Purdie-Vaughns & Garcia, 2012). Zudem hilft es, sich positive Gegenbeispiele vor Augen zu führen. Wenn es beispielsweise heißt, Afroamerikaner sind intellektuell weniger leistungsfähig, hilft es an Barack Obama zu denken. Schließlich wurde er nicht nur Präsident der Vereinigten Staaten, sondern ist auch Absolvent der juristischen Fakultät einer Eliteuniversität.

PS: Ein Erlebnis das Hoffnung macht

Diesen Artikel habe ich im Zug auf dem Weg von Italien nach Deutschland verfasst und dabei wurde ich von einer Polizistin nach meinen Ausweis-Dokumenten gefragt. Das hat mich tatsächlich doppelt gefreut. Zum einen, weil es eine weibliche Polizistin war, und zum zweiten weil ich äußerst selten kontrolliert werde. Tatsächlich kommt das eigentlich nie vor, da ich optisch offenbar nicht zu einer stereotypisierten Gruppe gehöre und daher nicht unter dem Generalverdacht stehe, etwas Illegales zu tun. Wir schreiben das Jahr 2020 und es gibt also Grund zur Hoffnung.

 

Literatur

Steele, C. M. (1997). A threat in the air: How stereotypes shape intellectual identity and performance. American psychologist, 52(6), 613.

Cohen, G. L., Purdie-Vaughns, V., & Garcia, J. (2012). An identity threat perspective on intervention. In M. Inzlicht & T. Schmader (Eds.), Stereotype threat: Theory, process, and application (p. 280–296). Oxford University Press.

Stricker, L. J., & Ward, W. C. (2004). Stereotype Threat, Inquiring About Test Takers‘ Ethnicity and Gender, and Standardized Test Performance 1. Journal of Applied Social Psychology, 34(4), 665-693.

Schmader, T., & Johns, M. (2003). Converging evidence that stereotype threat reduces working memory capacity. Journal of personality and social psychology, 85(3), 440.

 

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Bill Gates, das Coronavirus und andere Verschwörungstheorien

8. Mai 2020 By Constanze Leave a Comment

Wussten Sie schon, dass Deutschland in Kürze die Demokratie abschaffen wird? Gut, dass Vegan-Koch Attila Hildmann darüber auf seiner Facebook Seite aufklärt. Aus aktuellem Anlass – gibt er bekannt – habe er sich in den Untergrund zurückgezogen und fordert seine Follower auf, mit ihm bewaffneten Widerstand gegen die neue Weltordnung zu leisten. Dass an Corona Bill Gates Schuld ist, wissen Sie wahrscheinlich bereits, der Vollständigkeit halber soll es aber hier nochmal erwähnt sein.

Influencer bleib bei deinen Leisten

Ähnlich krude Mitteilungen werden aktuell vom ehemaligen „Popstars“-Juror Detlef D! Soost, vom Sänger Xavier Naidoo und von der Influencerin Anne Wünsche verbreitet. Gemeinsam ist ihnen, dass sie durch TV-Formate und Social Media bekannt wurden und ihnen Millionen von Leuten auf Instagram durch ihren Alltag folgen. Genau diese Reichweite macht es so gefährlich.

Aktuell gilt auch für Prominente: Bleibt zuhause! Dadurch kann ein verstärktes Sendungsbewusstsein schnell auf relative Bedeutungslosigkeit treffen. Die Psychologen Roland Imhoff und Pia Lamberty (2017) konnten in einer Serie von drei Experimenten zeigen, dass sowohl Narzissmus als auch ein großes Einzigartigkeitsgefühl ein Antrieb für Verschwörungstheoretiker sind. Somit scheinen Verschwörungstheorien eine ideale Beschäftigung für Promis zu sein, die zuhause ohne Publikum ausharren müssen.

Die aktuelle Unsicherheit befeuert Verschwörungstheorien

Zur Corona-Zeit haben Verschwörungstheorien Hochkonjunktur, folgen dabei aber alten Mustern. Meist geht es um eine schwer greifbare Macht. Das ist erstmal ziemlich bedrohlich und wenn Menschen das Gefühl von Kontrollverlust haben, suchen sie Strategien, um damit umzugehen. Eine mögliche Strategie ist es Muster zu sehen, wo keine sind, und mit einer Schwarz-Weiß-Sicht einfache Erklärungen zu finden. Verschwörungs-Narrative helfen daher die Welt zu strukturieren. Dabei gehen Verschwörungstheorien oft mit einer Feindseligkeit gegenüber bestimmten Gruppen einher. Im Mittelalter wurde den Juden die Schuld an der Pest gegeben und auch heute spielen häufig antisemitisch motivierte Erklärungen eine Rolle in Verschwörungstheorien. So zeigte sich auch in Studien, dass Menschen mit Verschwörungsglauben sich eher politischen Alternativen außerhalb des demokratischen Spektrums zuwenden (Lamberty & Leisner, 2019).

Die Verschwörer-Mentalität

Forschungs-Ergebnisse konnten zeigen, dass Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, auch auf Behauptungen vertrauen, die sich gegenseitig ausschließen. So konnten englische Forscher in einer Studie zeigen, dass Menschen, die eher der Meinung waren, dass Prinzessin Diana vom Geheimdienst umgebracht wurde, auch eher daran glaubten, dass Lady Di immer noch lebt (Wood et al., 2012). Menschen mit dieser Verschwörer-Mentalität stört dieser offensichtliche Widerspruch nicht. Sie zeichnen sich durch eine generelle Skepsis gegenüber Personen aus, die als mächtig wahrgenommen werden und unterstellen ihnen schnell mal böse Absichten. Problematisch ist, dass Menschen mit Verschwörer-Mentalität sich eher an den Rat von Nicht-Fachleuten halten und medizinischen Autoritäten misstrauen (Jolley & Douglas, 2014). Heißt, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Menschen, die an Verschwörungstheorien zum Corona-Virus glauben, auch Gesundheitsratschläge, wie z.B. häufiges Händewaschen oder Abstandhalten nicht befolgen.

Beim nächsten Gespräch mit einem Mitmenschen, der daran glaubt, dass Bill Gates am Corona-Virus Schuld ist, lohnt sich die Nachfrage, ob er oder sie auch Chemtrails glaubt. Falls ja, ist es sinnvoll, ganz schnell auf Abstand zu gehen.

 

Literatur

Imhoff, R., & Lamberty, P. K. (2017). Too special to be duped: Need for uniqueness motivates conspiracy beliefs. European Journal of Social Psychology, 47(6), 724-734.

Jolley, D., & Douglas, K. M. (2014). The effects of anti-vaccine conspiracy theories on vaccination intentions. PloS One, 9.

Lamberty, P., & Leiser, D. (2019). Sometimes you just have to go in-Conspiracy beliefs lower democratic participation and lead to political violence.

Wood, M. J., Douglas, K. M., & Sutton, R. M. (2012). Dead and alive: Beliefs in contradictory conspiracy theories. Social Psychological and Personality Science, 3(6), 767-773.

 

 

 

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Daheim ist es (nicht immer) am schönsten

17. April 2020 By Constanze Leave a Comment

Dieser Beitrag wurde von zu Hause aus geschrieben. Nicht ungewöhnlich, handelt es sich bei dem Blog doch um ein Hobby. Ungewöhnlich ist, dass ich aktuell auch zu Hause arbeite, Sport mache, online an Yoga-Stunden teilnehme und auch Freunde treffen bzw. After-Work-Events zu Hause bzw. richtigerweise online stattfinden. Die Welt bleibt zu Hause und das schon seit mehreren Wochen. Die Tage scheinen zu verschwimmen und langsam schlägt es dem ein oder anderen aufs Gemüt. Aber warum ist das so? Wie oft wünschen wir uns sonst in stressigen Zeiten, dass wir einfach mal nur zu Hause sein wollen.

Die psychologischen Grundbedürfnisse

Eine psychologische Theorie, die Selbstbestimmungs-Theorie (engl. Self-Determination Theory oder kurz SDT) hilft, besser zu verstehen warum das aktuelle Zuhause-Sein manchmal hart fallen kann. Diese Theorie postuliert, dass der Mensch drei psychologische Grundbedürfnisse hat: Diese sind die Bedürfnisse nach Kompetenz, nach sozialer Eingebundenheit und nach Autonomie. Nur wenn für alle drei gesorgt ist, geht es uns gut. Wie sieht es mit diesen Bedürfnissen aktuell aus?

Arbeit ist prima

Für viele Menschen ist derzeit die veränderte Arbeitssituation eine sehr große Umstellung. Viele arbeiten von zuhause aus, müssen nebenbei noch Kinder betreuen und sich in digitale Schulangebote einfuchsen, befinden sich in Kurzarbeit oder können vielleicht gar nicht mehr ihrem Job nachgehen. Arbeit ist eigentlich eine prima Sache. Neben einem festen Lohn, strukturiert sie den Tag, bietet ein soziales Netzwerk und erlaubt (hoffentlich) Kompetenzerleben. Fällt das alles weg oder ist nur eingeschränkt möglich, kann Langeweile einkehren und damit können wir Menschen gar nicht gut umgehen.

Stromstoß gegen Langeweile

In einer interessanten Serie von Experimenten stellten amerikanische Wissenschaftler (Wilson et al., 2014) die scheinbar simple Aufgabe sich in einem leeren Raum zu setzten und 15 Minuten nichts zu machen. Es gab keinerlei Gegenstände zur Ablenkung, allerdings die Möglichkeit sich – per Knopfdruck – einen elektrischen Schlag zu verpassen. Das Ergebnis war durchaus erstaunlich: Ein Viertel aller weiblichen und zwei Drittel aller männlichen Probanden verpassten sich innerhalb der 15 Minuten mindestens einen Elektroschock. Aus Langeweile. Alle Versuchsteilnehmer hatten vor Beginn des eigentlichen Experiments einen kleinen Stromstoß bekommen und angegeben, dass sie lieber fünf Dollar zahlen würden, als diese Erfahrung noch einmal zu machen.

Gestalte deinen Tag

Wie kann man nun möglichst glücklich durch die aktuelle Zeit kommen? Das Zauberwort heißt Struktur. Die eigenen Tage gestalten (Stichwort Autonomie), persönlich Highlights planen und jeden Tag dadurch zu etwas Besonderem machen. Sei es der FaceTime Anruf bei einem lieben Menschen, ein tolles Abendessen, endlich wieder Klavierspielen, der Spaziergang im Sonnenschein oder einem Online-Live-Konzert lauschen.

Wer aktuell von zu Hause aus arbeitet, sollte versuchen mit den Kollegen auch im informellen Kontakt zu bleiben. Dinge wie das kurze Gespräch an der Kaffeemaschine fallen weg und dadurch fehlt sozialer Kit (Stichwort soziale Eingebundenheit). Genauso wichtig ist es dafür zu sorgen, weiterhin Rückmeldung auf seine Arbeit zu bekommen (Stichwort Kompetenzerleben). Die aktuellen Herausforderungen im Alltag sind oft noch ungewohnt, aber für vieles davon gibt es (kreative) Lösungen. In diesem Sinne: Viel Spaß zu Hause!

 

Literatur

Richard M. Ryan, & Edward L. Deci (2000): Self-Determination Theory and the Facilitation of Intrinsic Motivation, Social Development, and Well-Being. In: American Psychologist 55, 68–78.

Wilson, T. D., Reinhard, D. A., Westgate, E. C., Gilbert, D. T., Ellerbeck, N., Hahn, C., … & Shaked, A. (2014). Just think: The challenges of the disengaged mind. Science, 345(6192), 75-77.

 

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Mein Name ist Constanze und ich bin promovierte Psychologin. Ich mag gute Theorien und wissenschaftliche Erkenntnisse, die einem helfen das Leben besser zu verstehen.

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